Als Josef Schleinkofer , Cooperator in Eschlkam, mit sich und der Umwelt im Zwiespalt kurzentschlossen einen improvisierten Trip nach Frankreich riskierte, weil er als Weltpriester unzufrieden und immer schon gerne Missionar gewesen wäre, wurde er nach seiner Rückkehr vom Generalvikar in Regensburg ausgerechnet als Expositus nach Dünzling angewiesen . Vorher war er von Bischof Ignatius von Senestrey gefragt worden: „ Warum sind Sie denn nach Frankreich durchgebrannt ?“ Da begründete Schleinkofer seinen Ausflug mit dem Hinweis: „ Weil ich halt gern zu den Wilden gegangen wäre.“ Der Bischof erwiderte verschmitzt: „Dann gehen Sie halt jetzt nach Dünzling!“

Und so fuhr Schleinkofer mit der Bahn nach Abbach und erreichte am 22. Juli 1888 Dünzling, wohl zu Fuß, ein kleines abgelegenes Bauerndorf, auf allen Seiten von großen Wäldern umgeben. Fernab lief der Zug von Regensburg nach Landshut so weit ab, daß Dünzling auch beim günstigsten Wind sein Pfeifen und Rollen nicht hörte. Nur eine Straße verband Dünzling mit der übrigen Welt. Nicht etwa eine Straße nach Abbach, mit dem es angeblich eine enge geistliche Verbindung gab, sondern eine Straße über Köfering, Thalmassing nach Langqwaid. Bauern hausten dort, große und kleine und mittlere. [i]

Es heißt von Schleinkofer am Ende seiner Laufbahn in Dünzling (1892): „Rastlos war die Arbeit des Expositus (..). Wer ihn so schaffen sah, hielt ihn für glücklich. Und doch fühlte sich seine Seele in Dünzling nicht daheim,…“[ii] Er wollte in einen Orden.

Anders erlebte diese Herde des heiligen Martin in Dünzling ein anderer Expositus, Alois Lehner (1916 – 1930), den die Dünzlinger wegen seiner Selbstlosigkeit sehr schätzten. Er fühlte sich in Dünzling sehr wohl und bezeichnete diesen Ort als „ein Paradies, das der Herrgott zu schließen vergessen hat“. Auch ein „kleines Königreich“ nannte er dieses Dorf[iii].

Es ist verwunderlich, daß er im Mai 1930 als Pfarrer ausgerechnet nach Abbach ging, der Pfarrei, zu welcher man ausdrücklich und erklärter Maßen über Jahrhunderte überhaupt nicht gehören wollte, aber mußte. Die Dünzlinger „Böck“[iv] hatten Alois Lehner in das Herz geschlossen und diese auch ihn, was sich dadurch zeigte, daß sie ihn beim Abschied zum Ehrenbürger erhoben.

Die Pfarrei Abbach war ihm wenigstens am 6.April 1921 noch sehr fern, als er wie ungezählte Vorgänger an die Diözese, das Bezirksamt und natürlich auch an das Pfarramt in Abbach einen Brief betreffs Erhebung der Expositur Dünzling zur Pfarrei schrieb. Es war dort aber gerade Josef Kreger (1918 – 1930) als Pfarrer am Ruder, dem bei seinen Problemen mit den Abbachern die Dünzlinger völlig fern lagen.

So schrieb Lehner an seinen übergeordneten Amtsbruder etwas indigniert: „ Vor einigen Tagen kam der ganze Akt betr. Erhebung der Expositur Dünzling zur Pfarrei vom Bezirksamt Kelheim an den Unterfertigten zur Ergänzung der Verhandlungen (zurück). Unter den 9 Punkten, die ergänzt werden müssen, findet sich unter Nr. 3:

Die Kirchenverwaltung Abbach hat unterm 20.3.1921 (..) in der Angelegenheit Beschluß gefaßt, der alle Förmlichkeiten vermissen läßt;(….) Lehner.“[v]

Aus der Erhebung zur Pfarrei wurde auch dieses Mal nichts, und so blieb es bis zum heutigen Tage. Ob dieser Mangel den Dünzlinger Lokalpatriotismus und Stolz heute im Jahr 2003 nach der Gebietsreform und der Diözesanreform noch beeinträchtigt, wäre eine andere Frage.

Dünzling rückte nicht auf dem geistlichen und seelsorglichen Sektor, sondern auf dem zivilen und bürgerlichen den Abbachern erst enger ins Bewußtsein, als es am 1. Januar 1978 im Zuge der bayerischen Gemeindegebietsreform nach Bad Abbach eingemeindet wurde. Bis zu diesem Datum lag das verschlafene Dorf hinter den Wäldern im Südosten dem Abbacher Herzen mit wenigen Ausnahmen ziemlich fern, wenn man nicht gerade zum ebenfalls eingemeindeten Ortsteil Saalhaupt gehörte, oder mindestens zum Ortsteil Peising.

Die Saalhaupter , zu denen ich mich wegen der Herkunft meiner Mutter wenigstens am Rande zähle, wurden in der Frühzeit wie heute von Dünzling aus pastoriert. Von Abbach aus sahen sie über Jahrhunderte außer der wöchentlichen Schulmesse nur jeden dritten Sonntag einen Kooperator im Gottesdienst, und der Pfarrer kam der Agenda entsprechend nur am Fest Peter und Paul und am Fest des hl. Stephanus persönlich. An den anderen Sonntagen besuchten die Saalhaupter ( natürlich meistens zu Fuß, weil es vor und im Krieg keine Autos und auch kaum Räder gab) den Gottesdienst in Teugn oder Dünzling. Die meisten zog es nach Dünzling, weil dorthin auch viele verwandtschaftliche Beziehungen bestanden, was schon die frühen Saalhaupter Bürgermeisternamen Georg Auer ( 1852 – 1860) und Georg Gierstorfer (1870 – 1880) vermuten lassen. Auch meine Großmutter stammt von dort; sie ist eine geborene Aichner aus Gattersberg, eine Schwester der beiden ehrwürdigen Schwestern Kreszens und Veronika Aichner, mit dem Ordensnamen Regina und Lidoria, Vinzentinerinnen des Klosters Zams in Tirol. Auch die Wallnerwirtin, die Pernpaintnerin und die Voxbrunnerin in Saalhaupt und die Teufelsmüllerin in Dünzling waren Schwestern von ihnen. Und so war und ist ein Großteil der Saalhaupter wie ich selbst mit den Dünzligern durch Sippschaft verbunden. Ich selbst hatte also , der ich zu Pfarrer Alois Lehner als meinen geistlichen Mentor auf dem Weg ins geistliche Amt wie zu der Dünzlinger Klostertante Lidoria enge Verbindung pflegte, in Dünzling biologische und geistliche Wurzeln. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich als Bub mit einem ganzen Rudel Kindern und einem Haufen Erwachsener an vielen Sonntagen von Saalhaupt aus über den Dünzlinger Weg durch tiefen Wald 1 Wegstunde lang zur Sonntagsmesse eilte, hernach bei der „Wirtslies“ einkehren durfte, bevor man sich wieder auf den Heimweg machte.

Priester und Ordensschwestern wuchsen aus der Expositurgemeinde Dünzling in der Vergangenheit häufiger. Außer den genannten Ordensfrauen sind die Priester Petrus Lindner (um 1500), Johann Giessinger ( um 1500), Anton Weigl (1830), Georg Kammermaier (1860), Jakob Vogl ( um 1820) und die Ehrw. Schwestern Franziska Hendlmeier (1892), Anna Maria Maxreiter (um 1890), Theres Kindl (um 1900), Theres Witzmann (gest.1944), Theresia Gottswinter ( 1927), Theres Kolroser (1926), und Hedwig Gottswinter (1957) zu erwähnen. [vi]

 Dünzling ist heute eine Expositur

Expositur – was ist das ? fragen wir uns zuerst. Die Antwort lautet: „. ein abgegrenzter Seelsorgbezirk innerhalb eines Pfarrverbandes. Im Fall eigener Vermögensverwaltung besitzt der Sprengel nach Staatskirchenrecht den Charakter einer Filialkirchengemeinde. Dem geistlichen Leiter (Expositus) ist die selbständige Erledigung gewisser Amtsgeschäfte, unter Aufsicht des zuständigen Pfarrers, übertragen. Allgemeine Trauungsdelegation (..) und eigene Matrikelführung (mit Abschrift an das Pfarramt) sind die Regel. Stolgebühren werden nach oberhirtlicher Anweisung verteilt. Als Hilfspriester (.) hat der Expositus gemeinrechtlich keine Applikationspflicht“[vii] d.h. keine Verpflichtung zum unentgeltlichen Pfarrgottesdienst.

 So ist die Expositur Dünzling denn auch in der Diözesanmatrikel 1998 unter der Pfarrei Bad Abbach verzeichnet. [viii]Dort finden wir das Wesentliche in Kürze:

„Dünzling , Expositur St. Martin. (…)

Gemeinden: Bad Abbach, Thalmassing; Landkreise: Kelheim/ Ndb., Regensburg/Opf.

Katholiken: 338; Nichtkatholiken: 8

Zur Expositur gehörende Ortschaften, Katholikenzahl, Entfernung von der Expositurkirche:

Dünzling D 281 Kath. Kranzgarten E 6 K 1 km

Bockenberg E 4 3,1km Pondorf E – 2

Gattersberg W 20 1,3 Ried E 2 2,2

Jägerhaus E 2 1,6 Teufelsmühle W 3 1,2

Klausen W 16 2,6 Weilhof E 4 2

 Expositurkirche: Martin; Anlage mittelalterl., erweitert 1733; neu konsekriert 1.10.1877;164 Sitzpl; 4 Altäre, davon 1 Volksaltar 1972; Orgel 1894, Werk 1934; 4 Glocken; Eigentum und Baulast Kirchenstiftung

Kapellen: Klausen, Wolfgang; erbaut ca.1840; Eigentum und Baulast Gemeinde Thalmassing.

Religiöse Denkmäler : Dünzling, Mariensäule; errichtet 1889; Eigentum und Baulast Gde Bad Abbach – Dünzling, Kreuzweg mit Mariengrotte; errichtet 1890/91 ; Eigent. u. Baul. Gde Bad Abbach. Gattersberg, Kap. Eigent. u. Baul. privat. Feldweg nach Bockenberg, Kapelle, Beatae Mariae Virginis; errichtet vor 1580; Eigent. u. Baul. privat.

Friedhöfe:Dünzling; 1080 qm, 140 Grabplätze ; Eigent. u. Baul. Kirchenstiftung Dünzling u. Gde Bad Abbach, Verwaltung Kirchenstiftung Dünzling; Leichenhaus; Eigentum u. Baulast Kirchenstiftung.

Expositurhaus :Erbaut 1933; 8 Zimmer; davon 3 Diensträume Eigent. Pfarrstiftung; Baulast Gde Bad Abbach; Garten ca. 1200 qm.

Grundbesitz: Kirchenstiftung Dünzling 0, 8692 ha; Pfarrstiftung 0,1764 ha.

Kirchliche Vereinigungen: Herz-Mariae-Bruderschaft; gegr. 1845; 108 Mitglieder. Marianische Männerkongregation; 32 Mitgl.; KLJB; gegr.1931; 33 Mitgl.- Päpstl. Werk f. geistl. Berufe ; 40 Mitgl.; – Bonifatiuswerk Paderborn; 10 Mitgl.- Bonifatiuswerk der Kinder Paderborn; 25 Mitgl. – Kath. Frauenbund ; gegr. 1961; 55 Mitgl. – Lebendiger Rosenkranz; gegr. 1962; 21 Mitgl.

Außerordentl. Seelsorge: Prozession mit dem Allerheiligsten zur Mariengrotte am 15.8.; letzte Mission 1972“

 „Anno 1687, dem Jahr der Erhebung zur Expositur, gehörte Dünzling wie heute zum Dekanat Kelheim. Das Seelsorgsgebiet umfaßte die Ortschaft Dünzling, den Weiler Gattersberg, sowie die Einöden Pondorf, Ried, Bockenberg, Teufelsmühle, Eschlhof, Weilhof, Dürnpaint und Stumpföd.

Nachdem die Dünzlinger zusammen mit dem Kastenvogtgericht Kelheim und der Regierung in München jahrzehntelang mit dem Consistorium , dem Kloster St. Emmeram und den jeweiligen Pfarrern von Abbach um einen eigenen Geistlichen gestritten hatten, kämpften die verschiedenen Expositi zusammen mit den Dünzlingern und den eben zuerst genannten Stellen jahrhundertelang gegen die Pfarrer von Abbach und das Consistorium um die Anerkennung als Pfarrer beziehungsweise Pfarrei. All die (.) Auseinandersetzungen rührten daher, weil der Abt von St. Emmeram (in Regensburg A. d. V) bei der Erstbesetzung das Präsentationsrecht (das Recht einen Pfarrer vorzuschlagen und hinzusetzen ) nicht in Anspruch nahm, was bewirkte, daß Dünzling nicht als Pfarrei anerkannt wurde.“[ix]

Welche Formen die Auseinandersetzungen ab der Errichtung der Expositur unter dem ersten Expositus Johann Nikolaus Heylmair (1687 – 1696) annahmen, zu schildern, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Sie werden im Heimatbuch von Johann Auer, ab Seite 154 ausführlich behandelt, Mit diesem Buch kann man sich in über 100 Seiten über Glaube und Kirche in der Expositur Dünzling umgreifend kundig machen.

Ein gewisser Höhepunkt der Unstimmigkeiten wurde unter dem Abbacher Pfarrer Johann Mathias Neuhörl erreicht, der sich im Jahre 1762 in dem von ihm begonnenen „Notizen – Buch über die katholische Pfarrei Abbach“ natürlich aus der Sicht der Gegenseite über die Bestrebungen des Dünzlinger Amtsbruders äußerte. Dort heißt es (Text lateinisch )

„1686 ( Pfarrer in Abbach war ) der Hochwürdige Herr Johannes Ignaz Weinberger. Unter diesem Pfarrer wurde der Dünzlinger Cooperator Expositus und ich gebe zu, daß ich in meinem Inneren denselben beschuldige, die Angelegenheit für seine Nachfolger nicht gut geführt zu haben, weil für den Lebensunterhalt dieses Expositus keine 300 Gulden, wie es in anderen Exposituren üblich ist, zur Verfügung stehen. Aber jeden Weg zurück wird ihm der Pfarrer offen gehalten haben. Nachdem er aber festgestellt hat, daß sich der Expositus so dagegen gestemmt hat, daß er durch das zu diesem Zweck einberufene Consistorium zu einem solchen Consens nicht veranlaßt werden konnte, sondern der Pfarrer in dieser Angelegenheit zur Besiegelung zwischen ihm und dem neuen Expositus ans ehrwürdige Consistorium gerufen wurde, hat er unter irgend einer Entschuldigung nach Eintritt dieser Teilung 1688 seinen Rücktritt von der Pfarrei erklärt.“[x]

Es ist anzunehmen, daß nicht zuletzt der finanzielle Aspekt den Grund für die Jahrhunderte währende Dissonanz zwischen den Dünzlingern und den Pfarrherren von Abbach abgab: Der Pfarrer in Abbach sah seine wirtschaftliche Basis geschmälert und die Dünzlinger sahen sich in ihrem Stolz verletzt, wenn man ihnen nachsagte, daß sie sich ja einen eigenen Geistlichen gar nicht leisten könnten. Und warum sollten sie auch nach Abbach zahlen, wenn ihnen von dort gar nicht so üppig geholfen wurde.

 Zoom – Momentaufnahmen

 Wir schreiben das Jahr 1845. In Dünzling waltet der Expositus Johann Michael Müllner (1843 – 1846). In Abbach residiert der Pfarrer Martin Otto (1838 – 1868), als Erbauer der neugotischen Pfarrkirche bekannt. Lesen wir die jeweilige Bestandsaufnahme aus zwei verschiedenen Blickpunkten:

Martin Otto :[xi] „ Abbach, den 24. Mai 1845.

Aus den Beilagen zu zehnseitigem Zuschreiben vom 16. l. M. hat man ersehen, daß die Gemeinde Dünzling bei der allerhöchsten Stelle beantragt habe, daß die bisherige Expositur daselbst zur selbständigen Pfarrei erhoben werde. Die Gemeinde begründet ihr Bittgesuch teils mit der Behauptung, daß schon in den ältesten Zeiten in Dünzling ein eigener Pfarrer gewesen, teils auch zur Abwendung der bisher bestehenden Gefährden für ihre heiligsten Interessen.

Man ist diesseits nicht gesinnt, die Behauptung der Dünzlinger Gemeinde, sie habe schon in den ältesten Zeiten einen Pfarrer gehabt, zu widerlegen.- Zu bedenken, was in diesem Betreffe als gewiß anzunehmen ist, wie folgt: Laut einer alten im bischöflichen Archive von Regensburg befindlichen Matrikel vom Jahre 1423 versehen die Seelsorge in der Pfarrei Abbach ein Vicarius cum duobus sociis (ein Pfarrer mit zwei Cooperatoren, A.d.V.). Von Dünzling aber, daß daselbst ein eigener Seelsorger gewesen wäre , sagt die Matrikel nichts, was doch nothin hätte geschehen müssen, wenn Dünzling einen eigenen Seelsorger oder gar Pfarrer gehabt hätte. Aus alten Schriften findet man jedoch, daß in frühester Zeit vor der Reformation Dünzling mit Saalhaupt und Peising alternativ von Abbach aus pastoriert wurden, daß die Pfarrei Abbach ein Drittel Groß- und Kleinzehent von Dünzling zu beziehen hatte, welch Letzteres bis zum Jahr 1688 unbestritten geschah, wie das noch vorhandene alte Saalbuch beweist. Daß aber später nach den Zeiten der Religionsspaltung und nach den Schwedenkriegen ein eigener Priester in Dünzling gewesen und daselbst gewohnet habe, ist aus einer schriftlichen Notiz in den Pfarrbüchern ersichtlich, indem um das Jahr 1593 ein gewisser Friedrich Scheerer als Kooperator in Dünzling, respektive Expositus angegeben ist. Während des Schwedenkrieges und nach demselben ist gewiß, daß die Seelsorge in Dünzling durch einen Kooperator von Abbach aus, oder auch durch den Pfarrer selbst versehen wurde. So weit die geführten Tauf-, Sterbe- und Trauungsmatrikeln zurückgehen, nämlich bis 1656 sind die in Dünzling vorgefallenen Geburten, Todesfälle und Trauungen wie die der übrigen eingehörenden Gemeinden in fortlaufender Ordnung eingetragen.

Vom Jahre 1680 an postulierte die dortige Gemeinde fortwährend , daß ihnen wieder ein eigener Priester gegeben werde und brachte es nach acht Jahren endlich dahin, daß unter dem Pfarrer Weinberger Jgnatz ein Cooperator expositus nach Dünzling admittiert wurde; demselben wurde der Drittteilzehent, den die Pfarrei Abbach bisher bezogen, nebst allen sonstigen Einkünften, wie Stolgebühren ad Sustentationem ( zum Lebensunterhalt, A.d.V.) überlassen, nur wurde festgelegt, daß er jährlich 50 Gulden zur Pfarrei Abbach als Absent abzuführen habe. Derselbe hat jedoch , warum ist nirgends angegeben, nie mehr als 12 Gulden entrichtet.

Der Seelsorger in Dünzling war und ist seit 1687 nicht mehr als Cooperator expositus, denn ein Pfarrer. Derselbe wurde , wie jeder Kooperator, nur vom bischöflichen Ordinariate admittiert, wurde nie investiert oder installiert, war nie Capitular des Landkapitels: der Pfarrer in Abbach hatte das Recht der Visitatio ecclesiae et Domus in Dünzling (der Visitation der Kirche und des Pfarrhauses, A.d.V.), dem Pfarrer stand das Recht der Begräbnisse, der Abhaltung der Exsequien für den verstorbenen Expositus zu; ja Pfarrer Neuhörl übte sogar die Privatobsignation wie Referation aus und publizierte das Testament des in Dünzling verstorbenen Expositus Hochw. Ignaz Grabner, welches Recht ihm vom Churfürstlichen Geistl. Rate in München auch zugestanden wurde.

Wenn nun der zeitliche Expositus in Dünzling auch Pfarrer genannt wurde, oder sein Haus ein Pfarrhaus, so geschah da nicht mehr und nicht weniger, als bei allen Exposituren geschieht. Die Pfarrkinder sind gewohnt, ihre Seelsorger nicht Expositi sondern Pfarrer zu heißen, was auch, wie im gegenwärtigen Falle bei Dünzling die weltlichen Behörden akzeptierten, so daß es kam, daß dem Expositus sogar ein Pfarrsiegel gegeben wurde, was übrigens in Hinsicht seiner Berufung durch die geistliche Behörde und seiner Rechte keine Änderung hervorbrachte, er blieb nach wie vor Expositus.

Wenn derselbe Lokalschulinspektor, Vorstand der Armenpflege und der Kirchenverwaltung ist, so lag das ganz in der Notwendigkeit. Denn dem Pfarrer in Abbach, der das ganze Jahr auch nicht eine geistliche Verrichtung in Dünzling vorzunehmen hat, dem die Gemeinde Dünzling, ihre Gebräuche und Bedürfnisse in geistiger und leiblicher Hinsicht unbekannt sind, ist es bei der weiten Entfernung von zwei Stunden gänzlich unmöglich, in diesem Betreffe seinen Verpflichtungen nachzukommen.

Mit dieser Beleuchtung der Verhältnisse der Expositur in Dünzling will man aber keineswegs (..)sagen, der Gemeinde Dünzling feindlich entgegen zu treten – vielmehr muß man die Bitte derselben als wohl begründet anmerken, indem dieselbe ihr geistiges Wohl vor Augen hat.

Es ist gewiß, daß einem Seelsorger, der wirklicher Pfarrer ist, dem seine Gemeinde gleichsam angetraut ist, das geistliche und leibliche Wohl seiner Gemeinde mehr am Herzen liegt, als einem Priester der ad nutum amovibilis (auf Wink versetzbar, A.d.V.) nur auf kurze Zeit unter denselben lebt, gleichsam nur so im Vorübergehen, bis ihn die Reihe einer Pfarrei trifft.

Dünzling ist weit herabgekommen und bedarf eines Seelsorgers, der länger unter ihnen verweile-, und wahrlich, daß dieses für die Zukunft möglich wird. (…) Hiermit erklärt man nun, daß man diesseits gegen die Erhebung der Expositur Dünzling zur Pfarrei nicht nur nichts entgegen habe, sondern dieselbe zum Wohle der Gemeinde daselbst notwendig erachte. Der Pfarrer setzt nur die einzige ausdrückliche Forderung, daß auch, wenn Dünzling eine Pfarrei ist, das Absent von jährlich 12 Gulden von derselben zu Lichtmeß jeden Jahres abgeführt werde und somit der Pfarrei Abbach auf ewige Zeiten verbleibe. Mit Hochachtung ! Otto, Pfarrer.“

Es wurde in diesem Schreiben behauptet, daß Dünzling sehr weit herabgekommen sei. Wir können es überprüfen, ob der zeitgleich in Dünzling wirkende Expositus Johann Michael Müllner die Situation genau so beurteilte. Wir lesen den

„Bericht über den moralischen und religiösen Zustand und das Kirchenvermögen der Expositur Dünzling für 1843/44“ :[xii]

1. Irreligiöse Grundsätze, Bücher, Vereine hat man nicht bemerkt.

2. Ärgernisgebende Feindschaften, Concubinate, Laster finden sich nicht vor.

3. Verhältnis der unehelich zu den ehelichen Geburten: Unter 11 Geburten sind 2 uneheliche

4.  Selbstmorde, Todschläge, Exzesse in moralischer und religiöser Hinsicht merkwürdige Ereignisse sind nicht vorgekommen. Es macht sich in der Gemeinde ein großer Hang für Spielen und Trinken bemerkbar, wodurch leicht zu Exzessen und Todschlägen Anlaß gegeben wird.

5. Besuch des vor- und nachmittäglichen Gottesdienstes und Hindernisse: Die Gottesdienste werden fleißig besucht

6. Frequenz der Sakramente , Gelegenheit dazu: Es finden sich fast alle Sonn- und Feiertage einige, welche das hl. Sakrament der Buße und des Altares empfangen.

7. Besuch der Werk- und Feiertagsschule: Werk- und Feiertagsschule werden ohne Zwang fleißig besucht. Zu wünschen wäre, daß das Viehhüten an Sonn- und Feiertagen eingestellt würde.

Besuch des Tanzplatzes von Seiten der Schuljugend: Der Tanzplatz wird zwar nicht hier, von der schulpflichtigen Jugend, wohl aber in den benachbarten Ortschaften besucht. Zwei feiertagsschulpflichtige Knaben wurden wegen Tanzplatzbesuches gerichtlich abgehandelt.

8. Von welchem Geiste der Lehrer und der Meßner beseelt sei: Gegen Lehrer und Meßner hat man keine Klage

9. Baulichkeit der Kirche und der Priesterwohnung: An der Kirche macht sich keine notwendige Baureparatur bemerkbar. Die Priesterwohnung befindet sich in einem fast baufälligen Zustande. Diesem Übelstand aber wird noch im Laufe dieses Jahres abgeholfen, indem die Gemeinde, welcher die Baulast obliegt, ein der Kirche anliegendes Haus eintauschte, welches dem zeitlichen Expositus als Wohnung bereitet und angewiesen wird.“

 Ein weiter Spannungsbogen – Anfang und Ende einer Vision

„Schon zu Zeiten der zu Ende gehenden Römerherrschaft war unser Gebiet weitgehend christianisiert. (…) Nach der Landnahme kamen die Bajuwaren im 6. Jahrhundert mit dem christlichen Glaubensgut in Berührung, ..“[xiii]

„Durch die mutmaßliche Dotation der Agilolfinger um 700, die Tauschverträge des 9. Jahrhunderts und weitere Erwerbungen wurde das Kloster St. Emmeram Herr über großen Grundbesitz in Dünzling, aber auch über die Menschen, die auf diesem Besitz lebten und arbeiteten. Den größten Teil der Erwerbungen konnte die Abtei bis zur Aufhebung im Jahre 1810 halten. St. Emmeram bestimmte also über 1100 Jahre hinweg das öffentliche Leben und Treiben, ja die Geschichte des Dorfes Dünzling überhaupt.“[xiv]

„Früher hatte auch das Kloster Prüfening in Dünzling ein Prädium, das aber 1142 an das Emmeramer Kloster zurückgegeben wurde. (….)“, schreibt Georg Rieger in der „Geschichte der Stadt Kelheim“.[xv] Er erinnert auch.“ Schon beim alten Pfarrsitz Eigelstetten haben wir gehört, daß die Kirche des hl. Martinus zu Dünzling zu dieser Urpfarrei gehörte;(…)“[xvi]

Darüber hinaus lesen wir in einem Bericht der Regierung von Niederbayern , der sich auf die Einvernahme mit dem bischöflichen Ordinariate Regensburg beruft, von der Existenz einer Pfarrei. „Ursprünglich bestand in Dünzling eine Pfarrei, die zum ehemaligen Augustinerchorherrenstifte Paring gehörte, und mit einem Provisor besetzt war. In Folge der Reformation ist diese Pfarrei mit dem genannten Chorherrenstifte erloschen. Die Gemeinde Dünzling wurde hierauf der Pfarrei Abbach zugeteilt, wie aus der Matrikel der Diözese Regensburg vom Jahre 1666 hervorgeht….“[xvii]Dem entsprechend führt „Das Regensburger Visitationsprotokoll von 1589/90“ Dünzling neben Weichs, Saalhaupt, Peising und Oberndorf als Filiale von Abbach auf. Zur Kirche des hl Martin wird bemerkt: „Es erfreut sich diese Kirche des heiligsten Sakramentes, für dessen äußeren Behälter ( Tabernakel , A.d.V.) man einen Deckel braucht. Dessen innere Kapsel ( Ciborium, A.d.V.) besteht aus Metall mit Glas. Hier werden drei Kelche festgestellt, alle aus Silber. Aber nur zwei von ihnen sind vergoldet. 5 Paramente sind hinreichend ordentlich. Altartücher sind genug vorhanden, wie auch bezüglich der restlichen Sachen für die Ausstattung der Kirche kein Mangel festgestellt wird. Alle Gerätschaften in der Kirche wurden ziemlich unordentlich vorgefunden.“[xviii](Aus dem Lateinischen)

Wie schon erwähnt, ist Dünzling nach dem 30 jährigen Krieg eindeutig Filiale von Abbach. Im Saalbüchl des Emmeram Hem 1673 – 1681 wird festgestellt : „Tünzling ist ein Filial der Pfarr Abbach zum Churfürstlichen Casten Gericht Kelheimb gehörig. Allda ist das Gottshaus zu Ehren des hl. Martins Bischofs geweiht worden. Bei dieser Filial hat das Kaiserliche Freie Reichsstift Closters St.Emeram zu Regensburg zworn Theil und der Pfarrer zu Abbach ein Theil Zehent.“[xix]

Das älteste Pfarrmatrikelbuch von Abbach 1657 – 1669 nennt die Dünzlinger Pfarrkinder , sei es bei ihrer Geburt, Heirat oder im Tod, einträchtig mit denen von Abbach, Oberndorf, Peising und Saalhaupt. Z.B.

1667 17. Mai Getauft wurde Caspar , ehelicher Sohn des Lorenz Gierstorfer und der Kunigunde , Bauerseheleute in Ried auf der Einöde. Taufpate war Caspar Volger, Bauer aus Massing. Es hat ihn in Dünzling getauft J. Blaimer, Cooperator in Abbach (aus dem Lateinischen) oder

1662 20. Februar Hochzeit feierte in Dünzling der ehrenhafte Adam Stierstorfer, Schmied in Dünzling, lediger Witwer mit der Jungfrau Barbara etc. oder

1662 28. Dezember An diesem Tag starb Margareta Humlin in Dünzling, deren Körper bei der Kirche des hl. Martin zu Dünzling beerdigt wurde. (aus dem Lat.)

 So war Dünzling , wie bewiesen ist, wohl anfänglich Pfarrei, dann wieder Filiale von Abbach.

Mit der Erhebung zur Expositur erreichte es eine Vorstufe zur Pfarrei. Das Verlangen nach dem Ziel der Unabhängigkeit ist nie erloschen. Noch 1895 erbat der Expositus Johann Baptist Schellerer vom Pfarrer von Abbach wenigstens die Übertragung pfarrlicher Funktionen, wenn schon nicht Rechte. Es handelt sich um die Geschäfte eines Lokalschulinspektors, Vorstandes der Kirchenverwaltung und der Armenpflege an der derzeitigen Expositur Dünzling.[xx]

Vermutlich den letzten Versuch, in Dünzling Pfarrer zu werden, startete, wie erwähnt, der Expositus Alois Lehner 1921. Für dieses Ziel mußte er selbst nach Abbach ziehen.

 Perspektiven

Von den Seelsorgern in Dünzling betrachten wir uns wenigstens den vermutlich letzten Expositus etwas genauer:

Seit September 1983 steht Pater Günter Karikas OSB, Liz. theol. und Dr. phil., ein hochstudierter und liebenswürdiger Herr, der Kirchengemeinde vor. Er stammt aus der Erzabtei Pannonhalma ( Martinsburg) in Ungarn. In dieses Kloster trat er 1944 ein, wurde 1946 zum Studium an die Benediktinerhochschule San Anselmo in Rom geschickt. Nach neun Jahren dort legte er in Maria Einsiedeln die ewigen Gelübde ab. Von 1956 – 1960 war er in der Schweiz Flüchtlingsseelsorger für die Exilungarn. 1960 wurde er nach Kastl bei Amberg/ Bayern an das ungarische Gymnasium mit Internat für Buben und Mädchen beordert. Diese Anstalt wurde 1980 wohl aus politischen Gründen geschlossen. Pater Karikas setzte nun seine pädagogische Tätigkeit in einer Franziskanerschule in Diestedde /NRW bis 1983 fort. Dann bewarb er sich in Regensburg um eine sinnvolle pastorale Arbeit. Der Bischof schickte ihn nach Dünzling, von wo, wie früher schon immer , der inständige Wunsch nach einem eigenen Seelsorger, bekannt war. Seit 20 Jahren lebt Pater Karikas nun schon dort, sehr glücklich und in guten Verhältnissen, wie er selbst sagt. Er liebt die Dünzlinger und wie man hört, schätzt man ihn dort sehr. Den Saalhauptern hält er jeden Sonntag und an einemWerktag in der Woche eine hl. Messe, spendet die Sakramente und bereitet die Kinder auf die Erstkommunion vor. Er ist auch Bischöflicher Delegat für die Einsiedler in Frauenbrünnl bei Bad Abbach. Dünzling sei für ihn ein kleines Paradies geblieben, mit ein paar Auswegen in die moderne Welt natürlich. Von reinem pastoralen Aktionismus hält er nicht viel, sondern von treuem priesterlichen Dienst, wie ihn die Kirche will. Mit seinen 77 Jahren nimmt er die Last im Weinberg des Herrn auf sich, damit ihm der Herrgott, wie er selbst sagt, nach seinem Heimgang in die Ewigkeit in Dünzling trotz seiner Sünden gnädig begegnen wolle. Nach 56 Jahren priesterlichem Dienst in der Welt hat ihm das Mutterkloster in Ungarn zwar einen Alterssitz angeboten, aber dafür will er seine nun lieb gewordene neue Heimat und seine Freunde in Dünzling nicht mehr verlassen.

Wenn er einmal nicht mehr ist, wird Dünzling vermutlich keinen eigenen Seelsorger mehr bekommen. Man hat sich bei der Diözesangebietsreform in den Seelsorgbezirk Paring, Niederleierndorf, Hellring orientiert, nicht mehr nach Bad Abbach.[xxi]

Pater Karikas starb am 21.08.2011 und fand auf dem Friedhof in Dünzling seine letzte Ruhe.

 [i] Vgl. Schuster, Josef , C.Ss.R. . Pater Josef Schleinkofer. Regensburg 1932, S. 67 f

 [ii] A.a.O. S. 86

 [iii] Vgl. Auer, Johann. Dünzling. Geschichte eines niederbayerischen Dorfes. Dünzling 1991, S.191 f

 [iv] Vgl. a.a.O. S. 332 ff : Charakterisierung dieses Menschenschlages

 [v] Brief des Expositus Alois Lehner an das kath. Pfarramt Abbach v. 6.4.1921. Pfarrarchiv Abbach V

 [vi] Vgl.Auer a.a.O. S. 214 – 216

 [vii] LThK Bd.3, Expositur. Freiburg 1959 Sp. 1318.

 [viii] Matrikel des Bistums Regensburg. Verlag Bischöfliches Ordinariat Regensburg,1998, S.64 f.

 [ix] Auer, Johann. A.a.O. S. 153 f

 [x] Johann Mathias Neuhörl. Notizen Buch. 1762. Archiv der kath. Pfarrei Bad Abbach I.

 [xi] Martin Otto. Das kath.Pfarramt Abbach an das königl. Landgericht Kelheim, 24 Mai 1845.Pfarrarchiv Abbach.V

 [xii] Bericht gleichen Namens, Dünzling 1844. Archiv der Pfarrei Bad Abbach.V

 [xiii] Auer, Johann. A.a.O. S. 130

 [xiv] Auer, Johann. A.a.O. S.36

 [xv] Rieger, Georg. Geschichte der Stadt Kelheim. Verlag Leik, Kelheim 1929, S.235

 [xvi] A.a.O.

 [xvii] Schaaf, Regierungsdirektor. K. Regierung von Niederbayern. Kammer des Inneren. Bericht. 2.6.1893, Archiv der Pfarrei Abbach. V

 [xviii] Mai, Paul. Das Regensburger Visitationsprotokoll von 1589/90. Verlag des Vereins für Regensburger Bistumsgeschichte. Regensburg 2003, S. 193

[xix] Hem, Emmeram.Pfarrer von Abbach. Saalbüchl 1673 – 1681. Archiv der Pfarrei Abbach.I

 [xx] Schellerer, J.B. Brief an das kath. Pfarramt Abbach, 12.9.1895.Archiv der Pfarrei Abbach V

 [xxi] Interview 12.12.2003. Dr. Karikas mit Dr. Kraus