Gegebenheiten/ Entwicklungen

14. 07. 1800

Wir finden in einem Schadensregister des Marktarchivs folgende Aufzeichnungen aus den Napoleonischen Kriegen: „Was die Bürger des Marktes Abbach am 14. Juli 1800, an welchem Tag leichtere Truppen durch den Markt gefochten haben, erlitten. Auch die Kaiserlichen haben über 20 6-pfündige Kugeln in die Bürgerhäuser geschossen. Vom 23. bis 31. Dezember wurde der Markt beschossen und geplündert.“

Es werden die von den französisch – republikanischen Truppen vorgenommenen Reparationen aufgeführt und den Bürgern namentlich zugeordnet, welchen Schaden sie erlitten haben an:

genommenen und gefordertem Geld, Weizen nach Münchner Metzen, Korn und Gersten nach Metzen, Zentner Hafer, Schober Heu, Stroh, Vieh und Fleisch, Brot nach Maßstangen, Holz, Wagen und Pferden, Bier nach Eimern, Branntwein, Viktualien aller Art, Fahrnis und handwerklichen Fabrikaten, Gebäuden, Äckern und Wiesen. Es folgen dann sechs doppelte Folioseiten an detailliert bezeichneten Schäden.

1800

Aus dem Vormerkungsbuch der Churfürstlichen Marktskammer zu Abbach geht hervor, dass man sich daran machen müsse, eine regionale Haus- und Grundsteuerliste anzulegen. Es erging ein Schreiben der Marktverwaltung von Abbach an die Regierung in Straubing wegen der Vorlage von Steuerlisten.

Es sei eine ordentliche Steuerbeschreibung für die Gründe hier vor Ort gar nicht vorhanden.

Es könne nur von den marktrechtlichen , die Häuser betreffenden Briefen, wie das Landgericht sie attestiert, ausgegangen werden.

Die Grundstücke seien aber alle teils zum hiesigen Landgericht und Rentamt, teils zum Kloster Prüfening und Weltenburg grundbar.

In den Grundbriefen finde man ganz selten etwas (Entsprechendes) und es habe alles keinen rechten Zusammenhang.

Man versuchte eben, sich aus weiteren überregionalen Abgaben herauszuwinden.

Um 1800

Aus dem Vormerkungsbuch ist weiter ersichtlich, dass das „Schulhäusl“ des 17. und 18. Jahrhunderts (wahrscheinlich das älteste) in der Kochstraße stand. Es war damals die Hausnummer 96 neben dem Hüterhaus (95); 2004 Hs. Nr.31 („Peters Stüberl“) in der Kochstraße.. Es sei hier auch erwähnt, dass 1880 an der Ecke Römerstraße/ Jungferngassl noch das Arm-Mädchenheim der Anna Koller existierte. (Beachte den Straßen- und Hausplan um 1800:

Kochstraße / Straubinger Straße!) Wo es nun um die Schule in Abbach geht, sind an dieser Stelle auch Erinnerungen an das „Frühmeß- und Schulbenefizium“ (1470/1733/1818) zu empfehlen. Man lese Heft 29 SS. 14/16/20 und Heft 30 die Abhandlungen über die Schule.

Um 1800

Unter Karl Theodor (bis 1799) herrschte eine verzweifelte wirtschaftliche und kulturelle Lage wie in ganz Bayern so auch in Abbach. Die französischen Armeen überfluteten Süddeutschland. Die Bayern waren widerwillige Verbündete der Österreicher.

Eine der vorhandenen zahlreichen Einquartierungslisten (von 1796 bis 1799) lässt das allgemeine Unbehagen über die unerwünschten Gäste erahnen. Max III. Josef, später Max I. Josef (als erster König von Bayern von Napoleons Gnaden), bemühte sich um die Lostrennung Bayerns von Österreich und um Neutralität. Doch um 1800 überzogen die Franzosen unter Napoleon ganz Süddeutschland. Weil Napoleon das Losschlagen Preußens erwartete, ließ er auch nach 1806 seine Truppen in Bayern. (Quartierplackerei !) Im Herbst 1806 zogen die Bayern mit den Franzosen gegen Preußen. 1812 ließen sie sich, voll Unbehagen zwar, in den russischen Feldzug mit hineinziehen. (33 000 Bayern waren dabei).

1797 – 1809 fand die österreichische Erhebung während Karl Theodor und Max I. Josef statt. Von den durchziehenden Truppen wurden große Schäden angerichtet. Es liegen hier im Archiv ungezählte Klagelisten vor. (Stapel ca. 30 cm hoch !) Die finanziellen Lasten wurden verteilt und bis etwa 1820 vom Markt mit und gegen die Bürgerschaft abgerechnet.

Die Bürgerschaft – es wurden 100 Bürger zu Grunde gelegt – sollten auch für die französischen Spitäler in der näheren Umgebung 110 Gulden bezahlen. Die Gemeinde bat, diese Last zu erlassen oder wenigstens zu halbieren, nachdem von den nur 88 vorhandenen Bürgern nur 20 zahlungsfähig seien. Es seien auch schon ungeheuere Quartierlasten zu tragen.

04.05.1801

Bisher seien schon 18 000 Mann da gewesen. Heuer seien es schon wieder 4139 Offiziere und Gemeine gewesen.

Aber es gab keine Gnade ! Die erneute Aufforderung, zu zahlen, kam am 15.04. an. Am 30.04. ging der nächste Bittbrief ab. Am 04.05. kam die neue Aufforderung, sich zu fügen. Die 110 Gulden mussten beschafft werden. Es handelte sich um den Gegenwert von 2 schlachtreifen Ochsen.

19. 04. 1809

Napoleon nahm in Hs. Nr. 37 Quartier. Das Haus stand an der Stelle der Raiffeisenbank und ist heute abgebrochen.

Juni 1809

Es wurde in Abbach ein Schadens – Beschreibungs – Protokoll angelegt, was dem Königlich bayerischen Markt insgesamt bisher widerfahren ist, wie die Soldateska, die auf der beschädigten Burg Quartier genommen hatte, gehaust hat.

Was bisher von der Burg noch bestand, wurde nun vollends ruiniert.

1816

In Abbach ist der Bäcker und Lehrer Lorenz Schindlböck in Haus Nr. 58 (jetzt Schulbruck, Paintner- Spenglerei) verbürgt . Nach seinem Tode verdiente sich seine Witwe Katharina Schindlböckin ihren Lebensunterhalt mit Rosoliobrennerei (Branntweinherstellung). Schindlböck war der letzte in Abbach tätige profane Schullehrer. Nach ihm trat die Reihe der Schulbenefiziaten – nach anfänglichen Schwierigkeiten zwar – den Dienst an. Der erste war der bisherige Kaplan Pfeifer, den es aber wegen der schlechten Dotation nicht lange in Abbach hielt. Er wollte als Cooperator nach Niederleierndorf.

28. 12. 1817

Seine Majestät König Ludwig I. stimmte endlich der offiziellen Errichtung des Schulbenefiziums zu, allerdings unter der Bedingung, dass der Schulbenefiziat für seinen Lebensunterhalt hinreichend dotiert sei. Es müssten die Erträgnisse der Parthschen Stiftung von 1564 und die Kapitalien und Erträgnisse des Frühmessbenefiziums von 1470, das nach seinem Verfall im 30-jährigen Krieg 1732 wieder errichtet worden war, in das Schulbenefizium mit einfließen.

Nachdem der Markt Abbach ein rechnerisches Einkommen von jährlich 395 Gulden 20 Kreuzer in Aussicht stellte, stimmte am 20.01.1818 auch das Bischöfliche Ordinariat Regensburg zu. Das Schulbenefizium war nun errichtet.

1817

Nach 1816, das infolge von Misswuchs und Nässe ein Hungerjahr war, wuchsen die Mehl-, Brot- ,Fleisch- und Bierpreise ins Unerschwingliche. So sah sich das Königliche Rentamt in Kelheim veranlasst, für die einzelnen Viktualien die Preise herunter zu fahren. 1817/18 kostete das Schaff Weizen 41 Gulden 15 Kreuzer, von Korn 38 Gulden, von Gerste 29 Gulden , von Hafer 10 Gulden 15 Kreuzer. 1818/19 durften für Weizen nur mehr 12 Gulden 30 Kreuzer, für Korn 9 Gulden 48 Kreuzer, für Gerste 6 Gulden 18 Kreuzer, für Haber 4 Gulden 54 Kreuzer verlangt werden.

Auch für die einzelnen Lebensmittel wurde daher eine neue „Satz“ erlassen.

Es galt:

1 Pfund bestes Ochsenfleisch 10 Kreuzer

1 Pfund geringeres 9 Kreuzer

1 „ Kuhfleisch 8 Kreuzer

1 „ Kalbfleisch 9 Kreuzer

1 „ Schaffleisch 7 Kreuzer 2 Pfennige

1 „ Schweinefleisch 12 Kreuzer 2 Pfennige

Für das Überschreiten der Preise wurde eine Geldstrafe ( z.B.

5 Reichstaler für den Metzger) angedroht. Die Satz wurde laufend aktualisiert.

Für die Maß Sommerbier durfte der Brauer 4 Kreuzer 2 Pfennige verlangen. Der Wirt 5 Kreuzer.

Es wurde auch das Gewicht für die 1 und 2 Kreuzer- Semmel, das Ein und 2 Kreuzer Röckel und für den 1 Metzen- bis 1/16- Metzenlaib (von 40 Kreuzern bis 2 Kreuzer 2 Pfennige) genau festgelegt. Die „Setzer“ führten unerbittliche Kontrollen durch. Im Übertretungsfalle zerschnitten sie die Brote, so dass sie nur mehr zu Schweinefutter taugten

 1818

Das Schulhaus befindet sich seit 1813 im Markt beim Rathaus. (2004:Gasthaus zur Post). Es war baulich in desolatem Zustand. Die Reparatur wurde daher 1815 in Angriff genommen. Weil aber das bewilligte Geld ( 216 Gulden 4 Kreuzer) nicht reichte, musste man eine zusätzliche Steuer erheben, um die neuen Kosten von 281 Gulden 3 Kreuzer aufzufangen. Für die Schule wollte man am besten auch das alte Gebäude auf dem Berg (2. Schulhaus in Abbach/ Nr. 60; nach den Stufen, heute Jungferngassl 3) reparieren, obwohl dessen Verkauf längst beschlossen war. Da stellte sich 1819 die Regierung des Regenkreises dagegen. Der Platz auf dem Berg sei ungeeignet, war das Argument. Die Schule müsse so lange in das reparierte Rathaus einziehen, und zwar binnen 14 Tagen, bis man einen geeigneten Platz angeboten habe. Das alte Schulhaus auf dem Berg (Nr.60) sei sofort zu verkaufen.

 28.12.1818

Im Auftrag des Königs bringt das K. Landgericht Kelheim auch dem Magistrat zu Abbach in Erinnerung, dass ein Gemeindewappen nur geführt werden dürfe, wenn der 100-jährige Gebrauch desselben nachgewiesen werden könne. Man solle die Verleihungsurkunde vorlegen.

 30.12.1818

Der Magistrat in Abbach musste sich nun zum Aufenthaltsort des Wappenbriefes äußern. Man antwortete, dass man im Repertorium nachgeschaut habe. Dort heiße es, dass er sich in Schublade 1 befinde mit der Signatur Nr.11 „ des Marktes Abbach Wappenbrief von 1486.“ Aber er sei dort als Nachweis nicht vorhanden.

Man könne aber auf ein steinernes, mit einem silbernen Deckel versehenes und silbernem Reif beschlagenes und vergoldetes Krügel verweisen, auf dessen Deckel sich in der Mitte das Markswappen befinde. Die Umschrift um den Krug weise auf das Jahr 1624 als Entstehungszeit hin. Damit sei schon der 200-jährige Gebrauch des Wappens dargetan. Es gebe auch zwei Abdrücke von der Urkunde, von denen der erste wenigstens 300 , der zweite weit über 100 Jahre alt sein müsse.

 02.03.1819

Im Auftrag des Königs hackt die Regierung des Regenkreises nach, wenn schon aus der Registratur des Marktes der hundertjährige Gebrauch des Marktwappens nicht nachgewiesen werden könne, so sollten sich doch wenigstens im Besitze von Gemeindegliedern Dokumente , wie z.B. Kaufbriefe, Übergabsbriefe etc. befinden, die mit dem Markssignet gefertigt sind.

 02.03. 1819

Der Magistrat von Abbach übergibt der Regierung den Wappenbrief, den man bei der Einrichtung der Marktsregistratur (angeblich nun) gefunden habe. Nach Einsichtnahme solle man ihn an die Registratur zurückschicken. Die Regierung ließ sich offenbar bluffen, indem sie den wahren Zeitpunkt der Entstehung des Dokuments nicht erkennen konnte. Das Original ist bis heute nicht aufgefunden worden. (A.d.V.)

 14.04.1819

Man habe den am 02.03. d.J. vorgelegten Wappenbrief aus dem Jahr 1486 eingesehen und schicke ihn zur guten Aufbewahrung nach Abbach zurück.

 1827

existierten nach dem Grundakt der königlichen Steuerkataster- Kommission in Abbach 104 Hausnummern, im Dorf Schlossberg 16, in Au drei, in Weichs zwei. Die meisten der genannten Besitzernamen sind 2004 in der Geschichte versunken. Auch nur wenige der in jener Aufzählung vorkommenden Gassen und Wege sind heute noch gebräuchlich, soweit sie nicht ein neueres Nostalgiebedürfnis wieder in Erinnerung brachte, z.B. Weißgerbergasse, Jungferngassl, Haslbrunnweg, Prallergassl, Schopperplatz.

Aus der Kammerrechnung dieses Jahres kann man auch ersehen, dass Gemeindehaus, Schulhaus und Hüthaus eine Einheit sind. Dort wohnen auch der Gemeindeschreiber, die Gendarmerie und der Schulbenefiziat. Ebenso befindet sich dort die Fleischbank und das Brothaus.

Das Hochwasser richtete Jahr für Jahr, besonders in den Jahren 1784, 1819 und 1825, verheerende Schäden an, weswegen man über eine Flucht des Rathauses auf den Schlossberg nachdachte, was dann 1845 verwirklicht wurde.

Das Inventar im Rathaus war nicht gerade bescheiden, wenn man bedenkt, dass auch die Feuerwehrrequisiten dort gelagert waren. Im 1827er Jahr wurden zur großen Feuerlöschmaschine samt Schläuchen und 27 alten Wassereimern, eine neue Löschmaschine, sieben Feuerleitern, drei Feuerhaken, 24 neue voll eicherne Wassereimer, vier neue Feuerleitern, vier neue Haken, zwei Vorhangschlösser, zwei Gabeln zum Auf- und Abhängen der Eimer angeschafft.

Auch für Maß und Gewicht war das Rathaus zuständig. Es gab da ½ Münchner Metzen, ein Messgeschirr aus Zinn, ½ Messgeschirr, einen blechernen Dreißiger und ebenso einen halben blechernen Dreißiger, ein 230 Pfund Steingewicht, eine kleine gelbblecherne Waage, ebenfalls eine aus Eisenblech, einen Einsatz aus Messing zu 2 Pfund, einen 1 Pfund schwer, ein eichernes Ellenmaß, einen eisernen Waagbalken.

Es waren auch einige Wertgegenstände vorhanden z. B. :

Eine Konstitutionsmedaille, eine Auszeichnungsmedaille für den Bürgervorstand, 1 Schaumünze von dem 25-jähigen Regierungsjubelfeste.

1 silberner Becher 8 Loth schwer, eine vergoldete Kanne 24 Loth schwer, 1 steinerner mit Silber und vergoldeten Streifen beschlagener Krug 16 Loth 2 Qu. schwer.

 15. 02. 1827

Es wurde wieder einmal eine zusammenfassende Beschreibung des Marktes und der Umgebung verfasst. Aus dieser erfahren wir, „auch finden sich außer dem Markte östlich an dem Wege nach dem Dorfe Poigen im sogenannten Luger Steinkohlen. Im Jahre 1803 machte ein Kaufmann hierüber einen Vorschlag und hatte bereits gegen 20 Fuß hineingegraben. Aber da brachen zum Glück gerade, da er heraus war, die Bolzen , welche von schlechtem Statikwerk waren; und die Unternehmer, welche am nämlichen Tage den Bruch besichtigen wollten, fuhren ab, ohne mehr die Sache nachzuforschen.

Jedenfalls verdient es bemerkt zu werden, indem (=dass. A.d.V.) hier, wenn eine Dampfschifffahrt an der Donau errichtet werden sollte, Steinkohlen in hinlänglicher Menge vorhanden sind.“

In diesem Bericht wird auch von der Burg gehandelt : „Von dem Schloß gibt die Tradition Nachricht, dass selbes mit dem Markte durch einen unterirdischen Gang verbunden sein solle, eine Spur hiervon aber ist nirgends sichtbar.“

(PS. In den Jahren 2002 / 03 erinnerten sich die Bürger ( Karl Schillinger und Willi Kellner), dass man beim Bau des Kanals an der Schulbruck im Jahre 1950 vermutlich auf einen unterirdischen Gang zur Burg gestoßen sei. Dieser Gang habe im Markt beim Anwesen Reisinger/Karl/Schillinger seinen Ausgang gehabt, und der Eingang bei der Burg sei nach Grabungen durch einen Merkstein markiert worden.)

Der Turm heiße nach der Tradition „Hungerturm“, habe 48 Fuß Durchmesser und scheine als Gefängnis gebraucht worden zu sein.

Im Schoss befinde sich ein gemauerter Brunnen, der aber aufgefüllt sei. Er sei so tief, dass man lange hätte horchen müssen, bis man einen hineingeworfenen Stein hätte aufschlagen hören.

Aus dem erwähnten Bericht von 1827 können wir auch entnehmen: „Die gegenwärtige Kultur ist vorzüglich Ackerbau , und es wurden seit 1803, als die hiesigen Kastenhölzer von der Bürgerschaft gekauft wurden, über 100 Tagwerk Holz in Acker umgeschaffen. Die Gewerbe sind verhältnismäßig gemäßigt, bei Getreideausfuhren nach Österreich ist Abbach der lebhafteste Ort.“

Unter „Natürliche Produkte“ wird wieder einmal auf das Wildbad Bezug genommen. Das Wasser enthalte Schwefel und Salpeter, es sei aber nicht nur eine Quelle vorhanden, sondern noch zwei weitere, darunter eine sog. „Eisenquelle“ oder „Stahlwasser“, 400 Schritt außer dem Markte, am Weg nach Peising und Teugn. In einem Fluss (gemeint ist wohl der Mühlbach. A.d.V.) würden die Quellwasser gemischt, aber sie seien alle ungenutzt. Nur manchmal tränken titulierte Badegäste das Wasser, das einen bitteren Geschmack hätte; sie würden dann zum Erbrechen gereizt.

16.08.1832

Das königliche Landgericht in Kelheim wird von der Regierung des Regenkreises davon in Kenntnis gesetzt, dass man zu Abbach im Inneren des Hungerturmes dem Umfang nach ungenehmigte Grabungen vorgenommen habe, die nicht fortgesetzt werden dürften. Für den Wiederholungsfall wurden strenge Strafen angedroht.

1835

Nach der Betrachtung der Lebensmittelpreise von 1817 dürfte es nicht uninteressant sein, sich auch die Löhne genauer anzuschauen. Nehmen wir uns das Gesinde im Pfarrhof als Anschauungsbeispiel:

Der Baumann ( Verwalter/ 1. Knecht) ) Michael Renner bekommt einen Jahreslohn von 45 Gulden.

Nach der Ernte 4 Gulden 48 Kreuzer Trinkgeld. Von jedem verkauften Schaff Getreide erhält er 6 Kreuzer. Täglich bekommt er eine Maß Bier. Es gibt für ihn ein jährliches Darangeld von 2 Gulden 24 Kreuzern, dazu 1 Pfund Schuhschmiere.

Der andere (zweite) Knecht Michael Franzmüller bekommt einen Lohn von 32 Gulden, für ein Paar Schnürschuhe 4 Gulden, für die Leinwand 3 Gulden, ein jährliches Drangeld von 1 Gulden 21 Kreuzern. Dazu 1 Pfund Schuhschmiere.

Der Knecht Georg Blaicher erhält einen Lohn von 40 Gulden, 2 Hemden ( 8 Ellen), ein feines und ein grobes – und 5 Ellen zu Beinkleidern und Jäckchen, jährliches Drangeld 1 Gulden 12 Kreuzer, ein Pfund Schuhschmiere.

Die Große Dirn bekommt einen Lohn von 25 Gulden, für ein Paar Schnürschuhe 3 Gulden, für einen Rock 4 Gulden, 10 Ellen feine und 10 Ellen gröbere Leinwand oder dafür 4 Gulden, 1 Viertel Wachs, 1 Pfund Schuhschmiere, jährliches Drangeld von 1 Gulden 12 Kreuzern.

Die Kleine Dirn Magdalena Kiendl bekommt einen Lohn von 20 Gulden, für ein Paar Schnürschuhe 3 Gulden, für einen Rock 4 Gulden, 10 Ellen feinere und 10 Ellen gröbere Leinwand, oder dafür 4 Gulden, 1 Pfund Schuhschmiere und ein jährliches Drangeld von 1 Gulden.

Die Kleinmagd Gertraud Ett l(….) (Text verdorben)

Die Köchin Katharina Muhr bekommt einen Lohn von 45 Gulden, zum Namenstag 2 Gulden 42 Kreuzer, zum neuen Jahre 2 Gulden 42 Kreuzer, ½ Pfund Wachs.

NB. Wachs benötigte man außer zu religiösen Zwecken auch zur Beleuchtung von Zimmern und für die Laterne. Elektrische Beleuchtung gab es noch nicht.

Es bleibt zu bemerken, dass der Gulden 60 Kreuzer hatte. Im Jahr der Umstellung vom Gulden zur Reichsmark 1875/ 76 der Gulden mit 1, 71 RM getauscht wurde.

27.03.1835

An diesem Tage kaufte Johann Christian Ludwig Ziegler, * 04.04.1801 in Wunsiedel; + 01.04.1887 in Abbach, die Mühle in Au bei Abbach (Donaumühle) von Andreas Dietrich mit 32 Dezimal Grund, 7 Maß Wasser pro Sekunde und 55 Fuß Gefälle. Um den Preis von 2100 Gulden.

Die Ziegler (3 Generationen bis 1919, evangelisch ) waren Spinnereibesitzer und Tuchmacher in Abbach-Au (Später Haus „Waldfrieden“), Förderer des Weinbaus um Abbach und Oberndorf, Initiatoren des Braunkohleabbaues rund um Abbach. Christian war auch Gründer eines Gesangvereins, der in die„Liedertafel“ mündete. Er und sein Sohn Friedrich waren einflussreiche Kommunalpolitiker in Abbach – Schlossberg und Abbach. Christian Ziegler schrieb vom 19. bis zum 86. Lebensjahr ( 1834 – 1886) umfangreiche Tagebücher.

Inge Ziegler aus Kelheim, die Frau des Urenkels Friedrich Ziegler, stellte mir freundlicherweise Auszüge dieser Tagebücher , aus denen ich zitiere, zur Verfügung.

6. Juli 1834 : „Die Leute hier sind alle gut katholisch und tun sich etwas drauf zu Gut. Einen intimen Freund konnte ich soweit hier nicht finden. Es gibt viel Feiertage, Kirchweihen noch mehr, lockere Gesellen am meisten. Ich habe Ursache, über meine strengen Sitten zu wachen (…)

Vergangenen Dienstag zogen hier 800 Mann Österreicher zur Ergänzung nach Mainz vorüber, welche den Doppeladler, der an mein Haus gemalt ist, betrachteten. Letzten Freitag, (..) sah ich den schönen Schützenzug auf das Schießhaus im Beisein eines Teils der Königlichen Familie.(….)

Am 25. November 1834 brachte der Fuhrmann Kozmann und Deutschbock meine Maschinen von Eupen, die in Offenbach übergeladen wurden. Es sind die ersten Cocerill’schen Spinnmaschinen, die im Regenkreis aufgestellt werden. Die Kreisregierung fand (es) auch für gut, mich für das beifällige Lob zu ermuntern, (…) Bis zum Neujahr 1835 hatte ich mit Beihilfe des Zimmerermeisters von Abbach nach dem von mir entworfenen (..) Plan das Wassergetriebe fertig, welches zwar recht gut und ruhig geht; allein , ich fand bald, dass ich meine Wasserkraft bedeutend überschätzt hatte.

Bis Mitte März 1835 hatte ich die Maschinen in Arbeitsstand gesetzt und spann die erste Wolle für Herrn Michael Syroth in Stadtamhof (bei Regensburg).

Nachdem ich mein altes Fichtelgebirg 5 Tag lang durchstreift hatte, fuhr ich mit dem Eilwagen wieder nach Regensburg und ging zu Fuß nach Haus. Das erste, was ich vornahm, war, ein vom Nachbarn Hartl erkauftes Fleckl, 1/16 Tagwerk um 60 Gulden, oberhalb mir, zu einem Schützweiherl einzurichten, respektive auszubauen. Da ich das Land sehr porös fand, Duftsand, so war ich genötigt, 100 Fuhren Tegel (gelber Ton) den Berg hinauf fahren und tragen zu lassen , (….) . Das Unternehmen war etwas kühn, gelang jedoch. (…) Nach diesem ließ ich mir steinerne Säulen (Zaunsäulen) und Treppen bauen, und grün angestrichene Latten vom Tischler, um mein Hausgärtel sauber einzumachen; und legte es terrassenförmig an“.

1737 – 39 kaufte Christian Ziegler umfangreiche Buchenholzteile von Ertel, Kirchbauer und Engelmann, Strauch und dem Hutmacher Lammel um rund 1000 Gulden um die Donaumühle und die Eiermühle.

„Im April 1843 habe ich 3000 Hopfenstöcke eingepflanzt und 3000 Stangen dazu gekauft für 300 Gulden. Im September auf der Sauweide bei Abbach nach Braunkohlen geschürft und fündig geworden durch Bergmann Sack von Arzberg.

Am 10 . Dezember 1843 wurde ich zum Vorstand der Landgemeinde Schlossberg – Abbach gewählt.

Im Mä.rz 2 Tagwerk Wald von Schleisinger und von Rumpel gekauft für 300 Gulden.

Den Sommer (1844) hindurch wurden unter meiner Aufsicht durch Bergmann Weiß und die Gehilfen Völkl und Held 100 Löcher gebohrt, jedes 70 ´ tief, um Braunkohlen zu finden und zwar bei Gemling, Weichs und Abbach ( 1500 Gulden) . Ich hatte die meiste Arbeit und das noch 12 Jahre lang. Fikenscher schließlich die Kohlen“.

N.B. Fikenscher war ein Freund Christian Zieglers aus der Jugendzeit. Er stammte aus Marktredwitz/Oberfranken und lebte jetzt in Puchhof bei Straubing. Er betrieb die erste Zuckerfabrik in Regensburg und mit Christian Ziegler den Kohlenabbau im Abbacher Raum.

Am 31. März 1845 wird berichtet: „ Hochwasser der Donau, 24 ´ über Mittel. 12 Tage lang war die Straße überschwemmt und von Abbach bis Oberndorf und Poikam ein See.

Im September das Engelmannfeld bei Abbach gekauft wegen der Kohlen, 72 Dezimal für 420 Gulden. Bergmann Bruckner nach 2 Jahren in Abbach begraben.

Am 22. November 1846 habe ich zusammen mit Lehrer Haid, Lang, Hiendelmeier und anderen einen Singverein in Abbach gegründet, welcher zeitweise einschlief, aber immer wieder erwachte und heute1879 noch als Liedertafel unter Leitung des Lehrers Förstel (auch Gemeindeschreibers, A.d.V.) besteht.

Im Mai 1847 legte ich den Stollen an zur Entwässerung des Braunkohleflötzes. Bergmann Tröger sekundierte gut.

(..) Im November 1850 ein Tagwerk Land in der Sonnenlage rigolen (= umgraben) 3 ´tief, düngen und ackern zur Anlage eines Weinbergs mit 1500 Weinfexern im nächsten Jahr.

Im April 1851 ließ ich 300 Franken- und 800 Heidelberger Weinfexer anpflanzen.

Dezember 1851. Die Wastlbauerwiese gekauft, 1Tagwerk 91 Dezimal, 1000 Gulden.

Februar bis April 1853 habe ich ein Haus in den Weinberg gebaut, 1000 Gulden. Das Grundstück habe ich von Fikentscher gekauft, auch 1000 Gulden

1854 die einliegende Plannummer zur Braunkohle von Oberndorf gekauft 72 Gulden 6 Dezimal ( Es sollte dort der Baunkohlen – Einladeplatz an der Donau entstehen ). 175 Weinfexer von Kruckenberg und Kelheim eingepflanzt. Den Weingärtner Scheck eingestellt.

1855, da meine Aussichten mit Fikenscher nicht die besten sind ( sie haben sich offensichtlich zerkriegt), ließ ich mir selbst eine Bohrung anfertigen. 44 ´lang für 30 Gulden, um selbst Kohlen zu finden.

Im April 1856 habe ich das Engelmannfeld verkauft, 72 Dezimal für 525 Gulden.

Im März 1856 reiste ich nach München zur Salinen Administration wegen Eigener-Bergbau-Betrieb.

Im September 1856 habe ich das Schlossfeld ( nicht auf dem Schlossberg , sondern Richtung Gemling . A.d.V.) zum Bergbau gekauft, 72 Dezimal für 503 Gulden. Ebenfalls im September die anliegenden Aumergründe gekauft. 3 ½ Tagwerk für 2100 Gulden. Dadurch kommt der Schwerpunkt in die Ökonomie und in das Kohlengraben, obwohl beides wenig einträgt.

1857. Mit Kohlengraben ließ ich fortfahren, machte nach dem Bohren von 15 Löchern einen Stollen, gegen 300 Schuh lang, und am Ende im Schleisingerfeld in Verbindung einen Schacht, ca. 35 Schuh tief, und setzte dort die Hütte drauf. Das Kohlenflöz war 4,5 und 6 Schuh mächtig und von mittlerer Qualität. Die Ausbeute betrug 300 Kübel a´ 7 Pfund.

Die Kosten von 1855 – 1860: (….) 1255 Gulden 16 Kreuzer.

Im März 1858 wurde ich Distriktrat der Gemeinde Schlossberg/ Abbach bis zum Jahr 1875, wo durch meine Beihilfe der Beschluss zum Krankenhausbau in Abbach gefasst wurde.

Im April und Mai 1869 haben wir auf das Spinnereigebäude den 2. Stock aufgebaut.

Am 1. Juli 1871 übergab ich die Spinnerei meinem Sohn Friedrich. 16 Tagwerk Grund behielt ich, sowie meine Wohnung im Haus. Ich zog aber mit meiner Frau und Tochter Kätherl in das Haus im Weinberg.

Im November zog ich mit Frau und Kätherl wieder zurück in die Spinnerei.

Im Oktober 1875 war eine gute Weinernte, 7 Eimer

1877. Die Weinbergarbeit mache ich selbst, da ich Zeit dazu habe.

NB. Den Weinberg bewirtschaftet Christian mit einem Gehilfen. Im Herbst hält er immer vier Wochen „Weinbergswache“. Zur Weinlese finden sich Frau, Töchter und Bekannte ein. Der Wein wird selbst ausgebaut. Christian hat 1500 Rebstöcke. In guten Jahren erhält er ca. 400 Liter Wein.

Am 28. März 1884 wurde die Tuchfabrik von H. Hofmeister in Regensburg verkauft. Christian Ziegler gräbt seitdem anstatt Fr. Fikentscher in Abbach Braunkohlen.

Am 1. Okober 1884 wurde ich, Gott sei Lob und Dank, mit der Weinlese fertig. Es waren für mich 4 harte Wochen, und ich glaubte kaum, dass ich diesen Wachdienst noch einmal durchstehe. Es ist eben hier der einzige Weinberg, und alles, was so halt reif ist, findet eifrige Liebhaber.

1886. Da ich im März wegen des rauen Wetters nur die Hälfte im Weinberg erledigen konnte, wurde ich erst am 3. April mit dem Weinschneiden fertig. Ich habe mich dabei so übermüdet, dass ich es heute noch spüre. Nächste Woche geht das Wachen im Weinberg an. Kommt mich hart an !

Am 5. Oktober ging die vier wöchentliche Wache im Weinberg glücklich zu Ende. Viel Mühe, wenig Erfolg. Ich hatte zwei Traubenpressen voll a`25 Maß. Es gab jedoch sehr viel Nüsse, Birnen und Zwetschgen.

Ende der Tagebuchaufzeichnungen !

NB. Christian Ziegler starb ½ Jahr später. Er bewirtschaftete seinen Weinberg 35 Jahre. Ein Weinberg befand sich, wo 2004 noch das alte Schwimmbad steht, am Kalkofenring.

1837 gibt es in Geldsachen eine gute Nachricht: Die Gesellschaft vom Ludwigskanal schüttet für eine Aktie mit dem Nennwert von 500 Gulden einen Jahreszins von 4 % aus. Das waren immerhin 20 Gulden für das Gemeindesäckel.

Die größten Aktivposten des Rechnungsjahres 1836/37 ergaben sich jedoch aus dem Getreidemaß (235.20) , dem Pflaster- und Brückenzoll (233 Gulden), dem Fleischaufschlag (200), den die vorhandenen Metzger einbrachten. Der Gemeindeschreiber zahlte für die Wohnung im Rathaus eine Jahresmiete von 20 Gulden. Weil er aber mietfrei war, musste man ihm die 20 Gulden am Jahresende wieder erstatten. Die Krämer waren alle zusammen mit einer Jahressteuer von 22 Gulden mit dabei. Im Übrigen galt : Kleinvieh macht auch Mist, worunter z. B. Gebühren für das Bürgerrecht und alle möglichen Taxengelder für gemeindliche Dienste gemeint sind !

Die Jahreseinnahmen der Gemeinde betrugen insgesamt 858 Gulden 57 Kreuzer.

Den größten Teil der Einkünfte verschluckten schon damals die Löhne der Gemeindebediensteten.:

Der Gemeindevorstand (noch nicht Bürgermeister!) erhielt 50 Gulden, der Gemeindepfleger 15, der Gemeindeschreiber 72, der Gemeindediener 5 Gulden.

Man leistete sich in diesem Jahr auch ein Bild „König Ludwig I. im Familienkreise“ mit Rahmen um den Preis von 10 Gulden.

Die Gesamtausgaben betrugen für 1836/37 856. 51 , so dass mit einem Aktivrest von 2 Gulden 7 Kreuzern der Haushalt als ausgeglichen galt.

1837

Das Abbacher Bad hatte längst auch im Ausland einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. So weilte in diesem Jahr Therese Hild, geb. v. Buckingham (1797 – 1864), in Abbach zur Kur. Sie war eine Hobby-Künstlerin. So wählte sie unter anderem als Motiv auch die St. Christophoruskapelle vom Donautor her für eine Reihe von Federzeichnungen. Es fällt auf, dass das 1784 beim großen

Hochwasser und schweren Eisgang mit der ganzen Giebelseite eingestürzte und wieder aufgebaute Türmchen noch keine Zwiebel hatte, sondern mit einer runden Haube ausgestattet war. Es ist links auch der neugotische Giebel des Rathauses (heute Gasthof zur Post) angedeutet, in dem zu dieser Zeit auch die Schule untergebracht war.

Über dem Tor ist das Dach des nächsten Bürgerhauses angedeutet

(heute Hagl). Es besitzt den klassizistischen Treppengiebel noch nicht. In diesem Jahr kaufte Franz Xaver Kraus aus Riedenburg mit seiner ersten Frau Maria Beck aus Abbach das Haus Nr. 20 und gestaltete es zur Metzgerei und Gastwirtschaft um. Er ließ in Anlehnung und zur Erinnerung an sein Elternhaus in Riedenburg (heute Hotel Schwan), das auch einen gotischen Treppengiebel besaß, das neue Domizil ausbauen und umgestalten. Es passte sich somit dem Prospekt im Zentrum des Ortes besser an.

22.03.1839

Das königliche Landgericht in Kelheim rügt die Verwaltung der Marktgemeinde Abbach wegen des Steinebrechens auf der Burgmauer.

Besonders der Bierbrauer Josef Hörmann und der Bäcker Alois Preißer seien aufzufordern, diesen Missbrauch bei Androhung einer empfindlichen Strafe zu unterlassen.

26. 05.1839

Die Marktverwaltung Abbach beantwortet das Schreiben , das Steinbrechen auf dem Schlossberge betreffend:

Es sei hier zu Ort bekannt, dass am 22. Juli 1832 nur die 4 3/8 Tagwerk Grund und Boden, die sich zur Zeit im Besitz der Krämerswitwe Walburga Meier befänden, der Bürgerschaft von Abbach geschenkt worden seien: Man sei auch der Hofkammer- Entschließung vom 25. Mai 1798 eingedenk, dass ein Käufer nur den Grund und Boden innerhalb der Schlossmauer haben könne, keineswegs aber die Schlossmauer selbst, die in einer Höhe von 10 Schuh zu erhalten sei, oder den Turm , oder die gemauerten Gebäude. Diese blieben dem hiesigen Landgericht vorbehalten.

Man habe hier zu Ort immer wieder entsprechende Verbote erlassen; die seien aber nicht befolgt werden. Darum bitte man jetzt , dass gegen die Ungehorsamen zum Zwecke einer höheren polizeilichen Einschreitung eine gnädigste Strafentschließung erlassen werde.

1844

Das Landgericht Kelheim gibt unter dem 11. September die Erlaubnis zu dem Beginn der Pflasterung des Marktes Abbach. Die Arbeiten seien vom Pflasterermeister Böck von Regensburg auszuführen. Vergabepannen wegen Dilettantismus wie zwischen Toll Collect und Bundesverkehrsministerium ( um 2000, die Maut auf Bundesautobahnen betreffend) waren ausgeschlossen. Dies ist aus den Akkordbedingungen des Marktes Abbach vom 3. Juni l. J. und den Bedingungen des Landgerichts, erlassen am 30. August 1844, ersichtlich: Die Pflastersteine mussten eine Höhe von mindestens 9 Zoll haben, durften in den Fugen nicht stark unterwinkelt sein, der Akkordant habe sich wegen der Qualität der Steine bei der Marktsgemeinde auszuweisen. Die Straßenstrecke sei vor der Eröffnung mit einer schweren Handramme zu stampfen, es dürfe zu den Ausfüllungen keine lehmige Erde verwendet werden, sondern nur Donaukies und Sand. Die Arbeit müsse in der Hauptstraße am 16. Oktober, in den Nebenstraßen am 6. November beendet sein. Das Landgericht habe die Bauaufsicht und werde darüber wachen, dass alles schleunigst begonnen und vollendet werde.

Schon 30 Jahre später, am 14. August und 20. Sept. 1874 wurde im Gemeinderat festgestellt, dass das Pflaster im Markt in einem „äußerst schlechten Zustand“ sei und man deswegen ein neues legen müsse. Zu diesem Zwecke wurde ein Darlehen in Höhe von 3000 Gulden aufgenommen, das in 14 ½ Jahren mit Zinsen zurückbezahlt sein sollte. Die Arbeiten wurden an den Regensburger Pflastermeister Böckmann übergeben. Von 160 Gemeindebürgern votierten in der Gemeindeversammlung 135 für die Erhebung einer Umlage.

1929 bis 1931 wurde der Vorplatz der Brauerei Zirngibl (kleineres Pflaster) und die Straubinger Straße (Saugasse) in Stand gesetzt.

1845

Als der Markt Abbach in diesem Jahre das sog. Maier´sche Hofgut, Wohnhaus mit ruinösen Ökonomiegebäuden auf der Schulbruck, das von 1760 bis 1803 der Sitz des Landrichters von Abach war, um 7000 Gulden als Schulbenefiziatenhaus kaufen konnte, bedeutete das einen Umbruch in der Geschichte der Schulhäuser und Rathäuser von Abbach. Das allererste bekannte „Schulhäusl“ des 17. und 18. Jh. stand in der damaligen Ochsengasse Hs. Nr. 96. (heute Kochstrasse 31, früher Naber, heute Häusler, „Peter`s Stüberl“.)

Dann wurde bis 1813 in Hs. Nr. 60 auf der Schulbruck, im damaligen Benefiziatenhaus (heute Aufgang zu Jungferngassl 3, früher Dietz, heute Raith) Schule gehalten.

Weil dieses Haus aber wegen der wachsenden Schülerzahl zu klein wurde, und es sich in desolatem Zustand befand, zog man in das Rathaus im Markt Nr.23, heute Gasthaus zur Post, um. In diesem Haus befanden sich zu dieser Zeit so wie so schon alle öffentlichen Instanzen: Rathaus, Brothaus, Fleischhaus, Feuerwehr, Großhirt, Schulbenefiziat, Amtsschreiber etc., und es wurde sehr eng. 1815 nahm man ,um sich den Ansprüchen besser anzupassen, eine Grundsanierung in Angriff. Zu diesem Zwecke sollte die alte Schule auf dem Berg , die zugleich Wohnung des Schulbenefiziaten gewesen war, und nun ja überflüssig schien, verkauft werden. In der Gemeindekasse war Ebbe, das Geld für die Reparatur des Rathauses (erster Kostenvoranschlag: 281 Gulden 3 Kreuzer ) reichte nicht. Für den Augenblick fiel den Räten nichts Gescheiteres ein als die Gemeindesteuern zu erhöhen.

1819 konnte das Rathaus nach vollendeter Renovierung in das Gebäude wieder einziehen. Weil es dann ohne Schule viel bequemer war, sollte diese nach einer neuerlichen Instandsetzung des erwähnten Benefiziatenhauses auf dem Berg wieder dorthin zurückziehen. Aber noch im gleichen Jahre zog die Regierung des Regenkreises einen Strich durch die Rechnung. Der Platz auf dem Berg sei ungeeignet; die Schule müsse sofort, und zwar binnen 14 Tagen, in das sanierte Rathaus einquartiert werden, bis man einen geeigneteren Ort gefunden habe. Das alte Schulhaus sei gemäß einem früheren Beschluss sofort zu verkaufen.

Nun entschloss man sich, auch wegen des häufigen Hochwassers, das den Kindern mindestens dreimal im Jahr außerordentliche Schulferien bescherte, mit Rathaus, Feuerhaus und Schule anderswo hinzuziehen. Ein Plan, der den Räten über viele Jahre Kopfzerbrechen bescherte.

 Erst 1845 war mit dem Kauf des Maier`schen Hofguts die Lösung gefunden. Nun brauchte man aber viel Geld !

1845 wurde daher das Rathaus im Markte mit allen Zugehörungen (z. B. Schafstall, Scheune , Wagenremise und einige Grundstücke ) versteigert. Der Erlös betrug 3361 Gulden . Die neuen Besitzer waren Franz Xaver Koller, Georg Koller, Josef Apfel, Benedikt Zirngibl (ein Kramer) und Michel Meier. Das ehemalige Schul- und Benefiziatenhaus Nr. 60 auf dem Berg wurde 1846 endlich an Anton Böhm um 1110 Gulden veräußert. Der Dachboden des neu erworbenen Schulbenefiziatenhauses wurde als Hopfenlager an die zahlreichen Brauereien von Abbach vermietet. Für das Brothaus fand man einen neuen Platz, nämlich das Haus Nr. 29 1/2 , zwischen der Badestube Geiger und der Schmiede Englmann nach dem Kuffergässl. (Arnold)

Die Neuerrichtung des Rathauses und der Schule auf der Schulbruck, an dem Platz, der als Schule den älteren Bürgern von Bad Abbach heute noch in guter Erinnerung ist, kam mit dem Grunderwerb in Höhe von 7000 Gulden und folgenden Instandsetzungskosten von 940 Gulden 32 Kreuzern in der Zeit von 1845 bis 1850 der Gemeinde zwar teuer zu stehen, aber es war eine Lösung für viele Jahre gefunden.

Ein weiterer Ausbau und eine Aufstockung der früheren Anbauten an das Landrichterhaus im Jahre 1891 stellten den endgültigen Zustand her. (Jetzt wird das Gebäude privat und vom Marktarchiv genutzt. 1993/94 wurde es nach Kauf von den Cafe-Betreibern Weiß durch Prof. Dr. med. Müller – Faßbender renoviert . Das Dachgeschoss wurde bei dieser Maßnahme ausgebaut.)

Erst 1929 zog das Rathaus in die erweiterte Polizeistation in der Augsburgerstraße am Schopperplatz (jetzt Kaiser – Karl – V.- Allee) und fand 1997 definitiv in der Raiffeisenstraße seinen Platz.

Die Schule bestand auf der Schulbruck bis 1962.. Es gab noch einige Not- und Nebenquartiere (z.B.1845 für vernachlässigte Mädchen das Klösterl in der Saugasse, heute Römerstraße, an der Ecke Römerstraße/ Jungferngassl und in den 1950er Jahren das ehemalige Bezirkskrankenhaus in der Regensburgerstraße ) bis 1962/ 76 die Neubauten für die Grund- und Hauptschule im Ziegelfeld vollendet waren. 

1852

Die neu errichtete St. Nikolaus Pfarrkirche auf dem Schlossberg wird benediziert und für den Gottesdienst freigegeben.

Außer dieser kurzen Notiz zu diesem Ereignis sei zur weiteren Information auf das Heimatheft 29/ 2004 verwiesen : „ Geschichte der Pfarrei Bad Abbach“, mit Anmerkungen zum 150-jährigen Jubiläum dieses Gotteshauses.( Dr. Alfons Kraus, 2002)

Ergänzend sei an dieser Stelle nur die Sage erzählt, die dem

Gemälde des Künstlers Albert Stahl am rechten Seitenaltar zu Grunde liegt:

„Bischof Wolfgang von Regensburg erscheint Herzog Heinrich IV. von Bayern im Traum“.

Kern der Sage ist der Schriftzug „post sex“ (deutsch: „nach sechs“)

 „Der Herzog Heinrich der Zweite (als Kaiser !A.d.V.), der aus dem sächsischen Haus , war ein gar frommer Herr. Dem war es mehr darum zu tun, einmal im Jenseits selig zu werden, als im Diesseits herrlich und in Freuden zu leben.

Wie er sich nun einmal in Regensburg längere Zeit aufgehalten hat, da ist er jede Nacht , wenn alle anderen Leute geschlafen haben, nach Sankt Emmeram gegangen und hat oft lange um ein seliges Ende gebetet. Und einmal, wie er wieder so betet, da bemerkt er, dass es über ihm sonnenhell wird. Und wie er genauer hinschaut, da sieht er eine leuchtende Hand, die in Flammenschrift an die Wand schreibt: „Nach sechsen !“ Der Herzog denkt: „Soll meine Bitte so schnell schon erhört werden ? Soll ich nach sechs Tagen schon sterben müssen ?“, und erschrickt doch ein wenig, fasst sich aber gleich wieder und hört die sechs Tage nicht auf zu beten und sich auf den Tod vorzubereiten.

Der sechste Tag kommt. Der Herzog wartet gottergeben bis zum Abend auf den Tod. Aber der Tod kommt nicht.

Da denkt der Herzog: „Wird wohl gemeint sein : nach sechs Wochen“, setzt sein Beten fort und hört nicht auf, sich für den Himmel immer würdiger zu machen.

Aber die sechs Wochen vergehen, ohne dass er sich nur im geringsten unwohl fühlt.

Es vergehen sechs Monate, und es ist ihm, als ob ihn das Leben immer stärker an sich ziehen würde, obwohl er unaufhörlich an den Tod denkt und jede Stunde zum Sterben bereit ist.

„Also halt nach sechs Jahren“, denkt der Herzog. Aber auch diese Deutung ist verfehlt. Denn freilich kniet er nach sechs Jahren am gleichen Tag wieder in St. Emmeram, aber nicht um den Tod zu erwarten, sondern um sich die irdische Kaiserkrone aufs Haupt setzen zu lassen.“ ( niederbayerische und Oberpfälzer Sagen)

(Vergleiche auch die etwas kürzere Version im „Abbacher Heimatbuch“ von Fritz Angrüner S. 47)

Albert Stahl, der in Kochgasse Nr.93 lebte und an einem Gymnasium in Regensburg Kunsterzieher war, schuf auch die Altarblätter am Hochaltar und am linken Seitenaltar. Bei der umstrittenen Renovierung in den 1950er Jahren wurden die Alterbilder entfernt, jedoch glücklicherweise im Pfarrhof aufbewahrt. Beim Abschluss der letzten Renovierung 2002 erhielten sie ihren angestammten Platz wieder zurück.

Die an dieser Stelle inzwischen entstandenen Fresken von Otto Baumann wurden dieses Mal, zwar im Hintergrund verdeckt, belassen.

06.07.1861

An diesem Tag stirbt in Abbach der Bad- und Brauereibesitzer Georg Koller, der „Obere Koller“. Er errichtete 1829 zwischen den Häusern, zu dieser Zeit Hs.Nr.10 und 77/78, über die damalige „Ochsengassee“ (heute Kochstraße) die Seufzerbrücke. Wegen des aufkommenden Braunkohlenabbaus und des geplanten Getreide- und Viehhandels mit Osteuropa versuchte er sich als Motorschiffbauer, um den Transport der Kohle usw. auf dem Wasserweg zu fördern. Seine Versuche waren jedoch nicht erfolgreich, weil auch die Kohleförderung in Abbach nicht gerade prosperierte. Auch die Gestaltung des Kurparks und der Spazierwege an der Schwefelquelle war ihm ein Anliegen.

Georg Koller war von 1845 bis 1848 Mitglied des Bayerischen Landtages. Er war am 24.04.1797 in Abbach geboren..Sein Erbe und Nachfolger auf dem Bad war sein Sohn Hans, mit dem aber die Kollerdynastie auf dem Bade um 1880 schon wieder endete. Sein Bruder war der langjährige Bürgermeister Franz Xaver Koller, der „Untere Koller“, Besitzer der Brauerei, Ökonomie und der Gaststätten im Osten (Hs. Nr. 26/27 und 62/63, ebenfalls beiderseits der Straße). Diese Linie endete in Abbach mit seinem Sohn Dominikus Koller um 1910 (wirtschaftlich 1880).

Es stellt sich die Frage, wieso die Kollers des 19. Jahrh. in Abbach solchen Reichtum und Einfluss gewinnen konnten:

Neben der geübten eigenen Tatkraft und angeborenen Tüchtigkeit war auch das ererbte Vermögen ausschlaggebend:

Zum Tod des Großvaters der beiden Kollers am 8. Nov. 1794 berichtet ein Inventurbuch des Kurfürst. Markts Abach von 1790 bis 1794 über das von ihm hinterlassene Vermögen. Solche „Inventar-Schätzungen“ wurden beim Ableben von Vermögenden sofort am Tag nach dem Tod des Verblichenen von Amtes wegen zur sicheren Lösung der Erbangelegenheiten vorgenommen.

Als Erben kamen in Frage: Die Witwe Katharina, 58 Jahre alt, der Sohn Franz Xaver (= der Vater der beiden oben genannten Brüder), 26 Jahre alt und ein Stiefsohn Leonhard Fischer, 30 ½ Jahre alt. Es waren noch umfangreiche Verbindlichkeiten aus Schenkungen an das Kloster Prüfening abzulösen.

Dem Inventarium zu Folge war der erste Franz Xaver Koller Rat und bürgerlicher Bierbräu, besaß die zum Kurfürstlichen Schloss gehörende Weißbier- und Weinschenkgerechtigkeit. Er stammte dem Vormerkungsbuch von 1801 zufolge vermutlich aus Adlersberg, Hofmark Pielenhofen (wo sein Sohn Franz Xaver geboren wurde).

An Gebäulichkeiten (offensichtlich auf dem Areal der frühren Zirngiblischen Brauerei ohne die Gastwirtschaft auf der anderen Straßenseite. Dieses Gebäude war das ehemalige Herzogliche und Churfürstliche Maut – Amt, etwa bis 1800) werden die Gastwirtschaft , ein großes Wohnhaus mit neu erbautem Brauhaus, eine Küche, Pferdstallungen und weitere Ställe, eine große, geräumige Hofstatt und ein Getreidestadel genannt. Außerdem gehörte eine Bierschupfe beim Sommerkeller in dem zum Schloss gehörenden Jungferngarten und ein kleines Kellerl unter dem Metzgerhaus des Simon Paur dazu. Für diese Immobilien wird ein Schätzwert von 4100 Gulden angegeben.

Es werden auch die mobilen Gerätschaften und Gegenstände, die sich in den einzelnen Depots befinden, mit Wertangaben detailliert aufgeführt. Als solche Räumlichkeiten werden genannt:

Die Wohnstube, der Verschlag (den Gerätschaften zu Folge = Eingangsbereich / Diele), die Kuchl, die Speis, die obere große Stube, ein Nebenstübl, das obere Flötz mit dem Tanzbodern, ein Herrschaftenschlafzimmer, Ehehaltenkammern, ein Boden. Im Nebenhaus eine alte, große Stube, ein Flötz neben dieser Stube, eine weitere Stube, eine Eingangsstube, ein großer Hof, ein Rossstall, ein Kuhstall, ein Brauhaus, ein Brandtweinhäusl, eine Gärstatt, eine Stoßmühle, ein Malzboden , eine Malzmühle, ein Bräustübl, eine Schalkammer, ein Schenkgewölbe gegen den Hof, eine Wagenschupfe, ein Stadl.

Die Gerätschaften und Möbel, sowie die vorhandenen Getränke an diesen Orten haben einen Schätzwert von 2545 Gulden.

Dann werden noch die Grundstücke in den verschiedenen Lagen Abachs aufgeführt. Die meisten befinden sich um den Burgberg, in der Gegend um Gemling , auf dem Höckberg (heute Hebberg) in der Au und an sonstigen Stellen. Ihr Schätzwert beträgt 2318 Gulden.

Dann ist noch Bargeld vorhanden, so dass das ganze Vermögen auf 9033 Gulden, eine ungeheuere Summe, festgesetzt wird. Bis die Verbindlichkeiten inklusive der Funerallasten abgegolten sind, können noch 6611 Gulden vererbt werden. Wie das Vermögen in die drei Erben aufgeteilt wurde, verrät uns das Inventurbuch aber nicht.

Es bleibt nur noch übrig, darauf hinzuweisen, dass der Name des heutigen Jungferngassls auf den zum Herzoglichen oder Churfürstlichen Schloss gehörenden Jungferngarten zurückgeht. Es ist sicher der Bereich, in dem sich die Damen der Burg oder des Schlosses mit Vorliebe aufhielten. Dort konnte man ja lange am Tag die Sonne genießen und hatte einen schönen Ausblick auf das Donautal. Einer üppigen Phantasie sei an dieser Stelle weiter Raum zugestanden. 

1866

Schon in der Bibel heißt es: Arme habt ihr immer unter euch ! So war die soziale Fürsorge ein stets aktuelles, immer brennendes Anliegen der Kommunen. Die soziale Gesetzgebung Bismarcks gab es noch nicht. Die Gemeinden mussten ihre Hilfsmaßnahmen selbst organisieren. Es fiel aber keiner aus dem sozialen Netz, wenn er an einem festen Ort das Heimatrecht besaß. Auf dieses konnte er immer noch zurückgreifen, wenn er auch an einem anderen Ort in der Zwischenzeit mittellos und hilfsbedürftig geworden war. Das Bürgerrecht war vom Heimatrecht zu unterscheiden. Dieses musste man sich erst erwerben ( Voraussetzungen: Hausrecht, Leumund, Aufnahmeverfahren, Aufnahmegebühr); ersteres hatte man von Geburt oder als Zugezogener durch Gebühr und positiven sozialen Status.

In der Regel vollendete damals der Mensch in alten und kranken Tagen seinen Lauf im Schoß der Familie. Aber im Extrem- oder Konfliktfall konnte es schon passieren, dass jemand in das Armen- oder Leprosenhaus musste.

Dieses befand sich in Abach (Abbach) am Ortsende in Richtung Oberndorf, am Weg nach Hochstetten. Es ging dort nicht all zu komfortabel zu. 1866 befanden sich dort 3 teilweise erwerbsunfähige und 2 total erwerbsunfähige Personen. Wenn es ging, brachte man sie außerhalb des Armenhauses gegen Entschädigung in einer hilfsbereiten Familie unter.

An regulären Einkünften, sowie mildtätigen und karitativen Gaben kamen 1866 587 Gulden 41 Kreuzer zusammen. Die Ausgaben im gleichen Rechnungsjahr beliefen sich auf 392 Gulden 41 Kreuzer. Das führte immerhin zu einem Aktivrest von 195 Gulden. Der Lokalarmenfond, der für die Verwaltung und Betreuung existierte, verfügte wegen verantwortlichen Haushaltens über ein Vermögen von 1224 Gulden.

Die Einkünfte resultierten aus 4 % Zinsen von den ausgeliehenen Kapitalien, aus Spenden, von Erblassern, aus gesetzlichen Einnahmen: Von Tanzmusiken, Hochzeiten, Schützenfesten, Succumbengeldern ( z. B. auch aus Sparbüchsen, die bei den Bäckern, Wirten und im Armenhaus standen) und von Jagdkartengeldern. Wenn noch leistungsfähige Angehörige existierten, musste Miete bezahlt werden. Der größte Teil der Einkünfte stammte aus Pflichtbeiträgen, die über Gemeindeumlagen eingingen. Die Einnahmen aus dem Jahre 1866 flossen in vorhersehbare, also laufende Kosten in Geld und Naturalien, in vorübergehende Unterstützungen von Gemeindeangehörigen (z. B. Arzt- und Beerdigungskosten) , in Hilfsleistungen an Angehörige anderer Gemeinden oder sogar Länder (gemeint sind Bezirke Bayerns), an Wohltätigkeitsinstitute (z.B. Irrenhäuser, Bezirkskrankenhäuser), an wandernde Handwerksgesellen. Auch die Verwaltung des Armenhauses und der Stiftung kostete Geld. Reparaturen am Armenhaus wurden nicht zum Lohn der Barmherzigkeit ausgeführt, sondern die Handwerker stellten reguläre Rechnungen aus. Es wurde jährlich Sturz gemacht. Die Jahresrechnung musste dem Königlichen Bezirksamt in Kelheim vorgelegt werden

Am 4. Dez. 1876 aber entnehmen wir dem Protokoll-Buch des Gemeinderates , dass der Armen-Pflegschaftsrat die Überforderung der Armenkasse beklage. Die Bedürfnisse stiegen immer mehr an, die freiwilligen Leistungen für Armenzwecke genügten bei weitem nicht mehr. Man müsse eine dem Bedarfe angemessene „Armen -umlage“ einführen. Vorerst solle der Kassenverwalter, H. Hiendl –mayr, dem Armenkassenverwalter Märx eine Überbrückungshilfe von 150 Gulden auszahlen.

Es sei noch das Inventar des Armenhauses des Jahres 1866, das bei Gott keinen Luxus verriet, geschildert. Es waren vorhanden:

1 vollständiges Bett, bestehend aus Ober- und Unterbett, Leintuch und Strohsack

2 Bettstellen

4 wollene Decken

1 Kissen

1 eiserner Höllhafen (Kanonenofen), Platte und Rohr

1 Sessel

1 Leibstuhl

2 Handtücher

1 weiterer Strohsack

Im darauffolgenden Jahr schaffte man noch ein Oberbett und eine Bettlade an. Dann änderte sich bis 1873 nichts mehr, bis man schließlich wieder ein weiteres Bett, ein Kopfkissen und Bettwäsche kaufte. Auch 2 Stühle , 2 Tischchen, 2 Waschbecken und 2 Nachtgeschirre, sowie einige Nachtsäcke und Keilpolster kamen hinzu. Angehörige oder Guttäter stellten dem einen oder anderen Armen dieses oder jenes Stück zur Verfügung. Wenn er starb, holte man es schnell wieder ab. Bis 1897 wurde kein einziges zusätzliches Stück an Inventar mehr angeschafft. Der Wert der ganzen Einrichtung verblieb seit 1873 182 Gulden 5 Kreuzer.

28.10.1869

Im Bezirksamt Kelheim wurden aus allen Gemeinden nur vier mit Bürgermeistereien ausgestattet, darunter war auch Abbach mit Abbach – Schloßberg. Der Markt Abbach setzte ab 1892 seine bewährte Verwaltungsgemeinschaft mit Abbach – Schloßberg fort.

Abbach-Schloßberg war ursprünglich eine eigene Landgemeinde, die aber mit dem Markt Abbach einige gemeinsame öffentliche Einrichtungen hatte, z.B. die Pfarrkirche St. Nikolaus, den Friedhof, das Armenhaus und die Schule.

4.6.1871

Die Gemeinde beschloss, einen Platz für ein Bezirkskrankenhaus zu suchen, war aber wegen des Konkurrenzbeitrags, den die Gemeinden rund um Abbach und Abbach selbst zu entrichten hätten, noch zögerlich. Man entschloss sich aber dann für das Grundstück an der Regensburger Straße, heute Kindergarten St. Nikolaus.

1870 waren im Vorverfahren schon die Gemeinden rund um Abbach um ihre Zustimmung gebeten worden. Die Voten waren fast alle positiv. Doch zog sich die Realisierung des Projektes ein paar Jahre hin. Wie das Kreiskrankenhaus in den ersten Jahrzehnten geführt wurde, ist im Archiv nicht belegt.

Am 1. April 1926 übernahmen Schwestern aus Vierzehnheiligen das Bezirkskrankenhaus. Leitender Arzt war Dr. Franz Schmitz. Das Krankenhaus wurde 1941 vom Kreis Kelheim an die L.V.A. Niederbayern und Oberpfalz verkauft. Diese verwandte es ab 1942 als Lungenheilstätte und setzte Medizinalrat Dr. Senfs aus Regenburg als Leiter ein. In den letzten Kriegstagen und hernach diente das Haus als Lazarett.

Am 17.1.1950 beschloss der Markt Bad Abbach, das Haus zurückzukaufen, verlangte aber das Geld dafür vom Kreis, weil der ja auch beim Verkauf das Geld kassiert hatte. Es wurde ein Zweckverband zum Rückkauf gegründet, dem aber die meisten umliegenden Gemeinden aus Furcht vor Kosten nicht beitreten wollten, obwohl sie für die Wiedererrichtung des ortsnahen Krankenhauses stimmten . Als Vertreter der Gemeinde beim Zweckverband wurde Hans Linxen bestellt.

Am 1.7.1954 übernahm das Deutsche Rote Kreuz das Haus und verwendete es hauptsächlich als Pension für die Badegäste, die man im Schwefelbad im Markt nicht alle unterbringen konnte.

Als aber das BRK das Haus nicht mehr brauchte, dachte der Markt über die weitere Verwendung nach. Sogar eine riesige Hühnerfarm soll einmal zur Debatte gestanden haben.

Es war ein Glück, dass man schließlich einen Kindergarten unter der Trägerschaft der Pfarrei errichtete.

1.5.1874

Der Rat des Marktes Abbach beschließt, dass künftig allen Drehorgelspielern, Musikanten niederer Klasse, sowie Schauspielern zweifelhafter Leistungsfähigkeit jede Bewilligung versagt werde.

Es gab in Abbach zu dieser Zeit eingesessene Musikerfamilien, die sich gewerblich beeinträchtigt fühlten, z.B. meine Familie über drei Generationen und die Musikschule des Militärmusikers Weigert .

1.1.1876

Im Jahre 2002 erlebten wir gerade die Umstellung von der geliebten Deutschen Mark (DM) auf den Euro (EUR). Das Wechselverhältnis war in etwa 2:1. Währungsreformen und Umstellungen gab es im Laufe der Geschichte Deutschlands immer wieder einmal. 1871 wurde das 1. Deutsche Reich gegründet, was auch in Geldsachen Folgen hatte. So wechselte man von 1875 auf 1876 vom Gulden (fl) und Kreuzer (x) ( 1 Gulden = 60 Kreuzer) auf Reichsmark (RM) und Pfennig. .Der Umrechnungskurs war 1 fl =1,71 RM.

Am 20. 2. 1876 sah sich die Marktverwaltung veranlasst, die Bürgeraufnahms- und Heimatgebühren auf die Reichswährung umzustellen. Nun galt:

I. An Heimatgebühren

/: Art. 11 des Heimatgesetzes vom 16. April 1868:/

Steuer:

a) unter 5 M 15 Pf 10 M 30 Pf

b) bis 15 M 45 Pf 15 M 45 Pf

c) darüber 20 M 60 Pf

II. An Bürgeraufnahms- Gebühren

/: Art 20 der Gemeindeordnung:/

Steuer:

a) unter 5 M 15 Pf. 21 M 45 Pf

b) von Auswärtigen 28 M 60 Pf

c) bis 15 M 45 Pf 30 M 70 Pf

d) darüber 42 M 90 Pf

e) von Auswärtigen 85 M 57 Pf

Die Bürgerrechts – Gebühren wurden von einigen als lästiger Batzen empfunden. Darum verzichteten manche Aspiranten aus Sparsamkeit auf diesen Luxus. Aber nach ein paar Jahren des Zuzugs oder der Verehelichung trat die Gemeinde aus allerlei, hauptsächlich finanziellen Gründen an die Säumigen heran und forderte zum Beitritt auf.

12.3.1876

Die hygienischen Verhältnisse im Orte treten allmählich stärker in den Blickwinkel der Bevölkerung. 1874 war im Markt bereits der Kanal gebaut worden. Nun verlangt der Lederer A. Schönbuchner die Kanalisation der Kochstraße vom Haselbrunnen bis Sebastian Bauer (Schreinerei, nahe dem Bad). Den Hauptstrang müsste die Marktgemeinde bezahlen, die Hausanschlüsse die Anlieger. Der Gemeinderat stimmt mit 6:3 Stimmen dagegen.

Man wollte jedoch einem Auftrag der Kuratelbehörde von 1875 zu Folge eine Umlage von 70 Pf erheben und so den finanziellen Grundstock zum Ausbau des 1874 errichteten Kanals erweitern.

Am 4. 6. 1876 entschloss man sich auch zur Gründung einer ministeriell angeordneten Errichtung einer Gesundheits- und Reinlichkeitskommission. Zu ihr sollten der praktische Arzt Dr. Faltermaier, der Apotheker Otto Knitel, der Badbesitzer Johann Koller und Bürgermeister Zoeller gehören.

Den Anstrengungen dieser Kommission schien noch längere Zeit kein durchschlagender Erfolg beschieden gewesen zu sein, denn am 1. Juli 1901 berichtete der Brauereibesitzer Ludwig Wahl (jetzt Zirngibl) von beklagenswerten Zuständen entlang der Hauptstraße und auf öffentlichen Plätzen von Abbach. Dort befänden sich Misthaufen, derer sich der größte Bauer nicht zu schämen bräuchte. Die Baulinie, die er in seinen Projekten beachten solle, sei durch Brennholzberge vor den Haustüren ohnehin außer Kraft gesetzt.

28.4.1879

Das Gemeinderatsprotokoll dieses Tages berichtet, dass am 8. und 9. März 1878, sowie am 12. und 13. März 1879 der öde Schlossberg auf Kosten des Bürgermeisters Koller mit Nussbäumen bepflanzt worden sei. Auch die Berghänge über der Kochstraße seien eingegrünt worden. Den Bürgern sei empfohlen, dieses Geschenk an die zukünftige Generation gebührend zu pflegen.

22.09.1889

Die Marktgemeinde erwarb das geräumige Anwesen zu Abbach – Schlossberg , in der Nähe der Burg und der Pfarrkirche, damals Nr. 17 1/3 , das sog. Geishaus, heute im Volksmund „Geisthaus“, um 2520 Reichsmark . Der Name des Hauses gab besonders in unserer Zeit Anlass zu wildesten Spekulationen Dabei ist die Erklärung so einfach : Im Brandversicherungs – Grundbuch der Landgemeinde Abbach-Schloßberg vom November 1867 ist an dieser Stelle ein Wilhelm Gaiß eingetragen. Sein Besitz ist mit 3200 Gulden veranschlagt und der größte in der Landgemeinde. Das Anwesen wird beschrieben als Wohnhaus mit Gastlokalitäten und Tanzsaal . Die Brandassecurranzliste der Gemeinde von 1875 weist Gaiß mit 4 Gulden 43 Kreuzern als den Mann mit der höchsten Abgabe aus.

Bei seinem Vorgänger Georg Rauch wird ein Wirtshaus, Saal und Kellergebäude aufgeführt. Schon früher wird in einer Conkurrenzrolle von 1845 im Haus daneben (Nr. 17) eine Wirt- schaft erwähnt. Der Besitzer ist Geyer Ferdinand. Die Umnummer -ierungen der Häuser in den 1870er Jahren auf der Bergplatte lassen auf rege Besitzerwechsel und eine intensive Umbautätigkeit auf diesem Areal schließen.

Im Gemeindeversammlungsbeschlussbuch von 1889 – 1911, zum Kauf der Gebäulichkeiten durch die Gemeinde, heißt es, es sei ein Haus, „welches sich in gutbaulichem Zustande befindet , viele und schöne Wohnungsräumlichkeiten, Keller und Vorgarten hat und zu Zwecken der Gemeinde vorzüglich geeignet ist.“ Im Distrikt-Umlage-Heberegister von 1897 führt das Haus die Bezeichnung „Villa“.

Nach 1900 wurde oft über die bestmögliche Verwendung nachgedacht. Das Haus sollte zunächst als Dienstwohnung für die Lehrerschaft genützt werden. Aber es kam unter den Lehrern keine Begeisterung auf, nachdem auch die zweite Zweckbestimmung „Sozialwohnung“ immer mehr zum Tragen kam.

Im Herbst 2004 wurde wegen Außenrenovierung der Putz abgeschlagen und es kam ein altes Bruchsteingemäuer an das Tageslicht, das in Teilen auf eine Entstehungszeit anfangs des 19.. Jh. schließen lässt. Möglicherweise sind Steine aus der Burgmauer verbaut worden; denn planlos wurden von Hand behauene Quadersteine in das neue Mauerwerk eingefügt. Um diese Zeit wurde nämlich, wie die Akten ausweisen, die Burgmauer heftig demontiert; namentlich bekannte Abbacher Bürger , darunter der Bierbrauer Josef Sparmann und der Bäcker Alois Preißer (heute Bäckerei Müller) wurden wegen des unerlaubten Steine-Brechens von der Regierung gerügt. Ein weiteres Steine-Brechen wurde unter Strafe gestellt. Die Ringmauer sei bei einer Höhe von 9 Fuß zu erhalten.

Das ebenerdige Gemäuer ist sicher älter. Es bestand ein Haus Nr. 16 ½ neben der Kirche (Nr. 16), das möglicherweise vor 1518 (erster Pfarrhof am jetzigen Platz !) einem kirchlichen Zweck diente.

Das Armenhaus der Gemeinde Abbach – Schlossberg stand, wie manchmal angenommen, zu dieser Zeit hier sicher nicht, denn die Gemeindearmen wurden gegen Logierzahlungen in Familien oder in der ehemaligen Gaststätte nebenan untergebracht.

(Nr. 17: ursprüngliches Marchner Haus, vorher Corona Obermaier, Ludwig König, Jakob Pauly etc.)

30.05.1892

An diesem Tage erlebte Abbach die größte Brandkatastrophe der Geschichte, abgesehen von den Ereignissen zum Ende des 2. Weltkrieges vom 24. – 27. April 1945. Das Feuer brach ( vermutlich durch Brandstiftung) um 14 Uhr nachmittags im Stadel der Brauerei Eckmann (heute Zirngibl) aus . Es fielen ihm 32 Gebäude, darunter 17 Wohnhäuser den ganzen Markt hinauf bis zum Bad zum Opfer. Die Berichte über die Vorgänge bei dieser Katastrophe befinden sich bis auf wenige, die im Abbacher Heimatbuch von Fritz Angrüner S. 84 (1973) und in dem Heimatbüchlein „Begegnung mit Bad Abbach – Bad Abbach in Bildern – Gestern und heute“, S .23 – 26 von Werner Sturm (1983), abgedruckt sind, noch in privater Hand. Dem Archiv blieben lediglich die Papiere der finanziellen Abwicklung der Schäden, soweit dies durch Liebesgaben und Versicherungen geschah, erhalten. In dem „Haupt – Cassabuch der eingelaufenen Liebesgaben für die Abgebrannten in Abbach“ ist vermerkt, dass sich bis zum Ende einer bayernweiten Spendenaktion von Juni bis September 1892 3482 Spender, vorwiegend Gemeinden, beteiligten. Es gingen von den Gemeinden und privaten Spendern 69.678,10 Goldmark ein. Seine kgl. Hoheit Prinzregent Luitpold ergänzte mit 2000 Goldmark auf 71.678,10 Goldmark. Davon wurden an die abgebrannten Hausbesitzer 65.400.- , an die durch den Brand geschädigten Inwohner und Dienstboten 5.840.- und für Regiekosten und Schreibpapier 190,75 Goldmark ausgeteilt. Es blieb noch ein Rest von 283,25 Goldmark, den bis zur vollständigen Abwicklung ein Comite unter Leitung von Dominikus Koller verwaltete. Am Pfingstdienstag 1892 erfolge auch die Schadensschätzung durch den Brandversicherungsinspektor zu Regensburg, nachdem es seit 3.April 1875 glücklicherweise auch schon ein Brandversicherungsgesetz und entsprechende Versicherungen gab. Die für die Immobilien ausbezahlten Beträge sind dem Archiv nicht bekannt, aber die Entschädigungen für das Mobiliar. Dafür wurden insgesamt 24.774,55 Reichsmark gewährt, wovon der Brauereibesitzer Georg Eckmann 17.750.- , der Bierbrauer Josef Schreiner 1710.-, der Bäckermeister Michael Hermann 2100.-, der Postexpeditor Joh. Nep. Hiendlmayer 2049,55, der Spänglermeister Josef Paintner 1080, der Fragner (=Kramer) Xaver Zirngibl l70.- und Alois Bixl 15 Goldmark von der Generalagentur München der Magdeburger Feuerversicherungs- Gesellschaft erhielten.

Nachdem der Markt nun schon einmal abgebrannt war, forderte das Bezirksamt in Kelheim am 8. Juni 1892 die Marktgemeinde auf, vor dem Wiederaufbau eine neue Baulinie festzusetzen. Die Hauptstraße hatte dem Schreiben zu Folge kein freundliches Aussehen. Es wurde gleichzeitig auch ein behördlicher Gutachter angewiesen, der sofort tätig werden sollte, damit der Wiederaufbau nicht aufgehalten werde.

25.2.1884

Die Marktverwaltung und die Schulsprengel-Vertretung planen im Interesse der Schule und wegen des allgemeinen Priestermangels die Trennung der Schule vom Benefizium. Die Benefizialpfründe soll aber dem jeweiligen Benefiziaten für immer verbleiben. Zunächst soll neben dem Benefiziaten ein Hilfslehrer angestellt werden, den die Regierung bezahlen soll. Nachdem sich diese widersetzte, beschloss man am 14. April , dass der Hilfslehrer mit 360 RM aus der Schulgeldkasse bezahlt wird. Er soll entweder eine Dienstwohnung erhalten oder das Geld dafür. Auch erhält er das notwendige Brennholz.

Am 15.8.1884 wird die geplante Trennung vollzogen. Die zwei Schulzimmer im Benefiziatenhaus müssen der Gemeinde weiterhin zur Verfügung stehen. Dafür verbleibe der Gemeinde die Baulast.

1888, nachdem es räumlich zu eng wurde, plante man die Erweiterung der Schule. Man beschäftigte inzwischen die dritte Lehrkraft. Man fand, dass wegen der voraussichtlichen Baulast von 18 000 RM die Bezirksregierung die Besoldung der Lehrer bezuschussen müsse. Das Darlehen sei zu 4 % zu verzinsen und über eine Umlage in 30 Jahren abzuzahlen. Die Bauleitung wurde dem Bezirksbautechniker Erhardt aus Kelheim übertragen.

Wegen des Ausbaus der Schule musste die Feuerwehr von diesem Platze weichen und man beschloss für 1892 den Neubau eines Feuerlöschrequisitenhauses bei der vorderen Mühle am Mühlbach zum Preis von 1500 RM.

13.3.1891

Es wurde der Schreiner Johann Baptist Koch in einer Beerdigung 1. Klasse in Grab Nr. 208 auf dem oberen Friedhof zu Abbach beigesetzt. Er wurde am 3.7. 1812 geboren und erwarb sich Verdienste bei der Herstellung des Gestühls und Mobiliars der neugotischen Pfarrkirche (nach 1852). Schon seine Vorfahren , z.B. Balthasar Koch , bekleideten öffentliche Ämter (Räte) und engagierten sich stark im sozialen Bereich.

Ihre Schreinerei befand sich ursprünglich in der Ochsengasse, 1801 Hs Nr 82, 1823 Hs. Nr. 91, jetzt Ritter. Die Gasse vom Bad bis auf Höhe Haselbrunnen wurde daher bald Kochgassl/Kochgasse, nach deren besserem Ausbau, Kochstraße genannt.

Um 1810 zog die Schreinerei in die Saugasse (Straubinger Str., jetzt Römerstraße) um. Der neue Standort der Schreinerei war nun Nr. 42.

Die Kochstraße ist also nach dem alten Abbacher Bürgergeschlecht Koch benannt, und nicht etwa nach dem Begründer der Bakteriologie, Robert Koch ( Tuberkulose, Schlafkrankheit, Cholera), der 1905 den Nobel-Preis erhielt.

6.3.1892

Nach langen Verhandlungen, die wegen des Schwundes der Gemeindebürger bis auf 30 schon mit dem Gemeindebeschluss vom 5.6.1864 begannen, ist es endlich so weit, dass die beiden Ortsteile Landgemeinde Abbach – Schlossberg und Markt Abbach zu einer politischen Gemeinde vereinigt werden können. Die Gesamtgemeinde hatte zu diesem Zeitpunkt 127 Stimmbürger. Um den Burgberg gab es 17 Hausnummern + einige Unternummern, zusammen etwa 20 Häuser. Es gehörten verwaltungsmäßig auch die Einöde Weichs mit drei Hausnummern und der Weiler Au mit vier Hausnummern zur Landgemeinde Abbach – Schlossberg. Im Weiler Au lag bis zu ihrer Zerstörung durch einen Brand am 26.5.1910 die Donaumühle, verbunden mit Schneidsäge, zwischen dem Löwendenkmal und dem späteren Waldfrieden. Der letzte Müller und Säger war Johann Blaimer. Ihm folgte der Bindermeister Kargl. Auf dem späteren Waldfrieden betrieb zu dieser Zeit die Familie Christian und Friedrich Ziegler, letzterer war Inhaber vieler Ehrenämter, u.a. Verwalter der Armenkasse Abbach – Schloßberg und Beauftragter für die Vereinigungsverhandlungen, eine Spinnerei, in der sich einige Abbacher als Dienstboten und Mitarbeiter ihr Brot verdienten.

Bis zur Vereinigung 1892 mussten die Schloßbergler z.B. noch den in Abbach gültigen Straßenzoll bezahlen, wenn sie mit einem Fuhrwerk in Markt – Abbacher Hoheitsgebiet einfuhren. Dieses empfanden sie als schikanös und belastete auch nach der Abschaffung der so empfundenen Beutelschneiderei den Prozess des Zusammenwachsens noch lange, zumal sie nach Wegfall des Straßenzolls zu den im Markte üblichen höheren Steuern und Lasten herangezogen wurden.

Bei der Volkszählung vom 8. 10. 1919 ergab sich dann in der Gesamtgemeinde Abbach:

Ortsteil

Haushalte

männlich

weiblich

zusammen

Fremde

Abbach

219

 445

530

975

12

Au

   4

   11

   15

  26

 

Schlossberg

 35

   76

   92

168

 

Weichs

   3

   12

   10

  22

 
           

Summe

261

544

647

1191

12

 

22.10.1895

Der Haselbrunnen liefert fortwährend schlechtes und ungenießbares Wasser. Im Garten des Braumeisters Goß soll ein neuer Brunnen gefasst werden. Die Überwasser sollen dem vorhandenen Pumpwerke zugeführt werden. Das Kellerchen, das sich auf Gemeindegrund befindet, soll Goß als Entschädigung notariell zugeschrieben werden.

9. 8. 1896

Auf dem Wege zur Quelle befindet sich ein Sommerhaus, das reparaturbedürftig ist. Der Verschönerungsverein fordert daher die Instandsetzung auf Gemeindekosten. Auch sollen wegen der freilaufenden Gänse und des sonstigen Hausgeflügels orts- polizeiliche Vorschriften erlassen werden.

1.1.1900

Bürgermeister Röhrl wird in seinem Amt bestätigt. Sämtliche auf fünf Jahre gewählten Gemeindeausschussmitglieder werden vereidigt. Für die Marktkasse : Franz Reisinger, Kaufmann, Schulkasse : Georg Weigert, Kaufmann, Armenkasse : Josef Kammermeier, Wagnermeister

Armenhausstiftungsk. : Xaver Schlauderer, Bäckermeister

Pflasterzollkasse : Johann Koch, Schreinermeister

Gemeindekrankenv.K: Xaver Pappi, Lehrer

Gräberkasse : Xaver Zirngibl, Handelsmann

Außerdem konstituieren sich: Schulkommission, Armenpflegschaftsrat, Gemeindebevollmächtigte, Kirchenverwaltung, Wegepolizei, Brunnenkommission, Waisenrat. Eingesetzt werden Gemeindekassier und Pflasterzolleinheber.

So konnte man getrost ins neue Jahrhundert schreiten

 Quellen für Höhen und Tiefen des 18. Jh. und Merkenswertes aus dem 19. Jh.

– Rambach, Bibliothek. Bayerisches Hausbuch. Alte Bilder, Lieder und Geschichten aus Altbayern und Schwaben. Freiburg im Breisgau 1981, S. 310

– Ettmayr, Anton. Dürr´s Sammlung Deutscher Sagen. Band 15. Altbayrische und Oberpfälzische Sagen. Verlag Hegel & Schade, Leipzig, o.J. (vor 1936), S.135 f.

– Ziegler, Christian. Tagebücher 1834 – 1886. ( im Besitz von Ilse Ziegler, Kelheim)

– Der große Herder, Bd. 10. Herder Verl. Freiburg i. Br., 1935, Sp.1215

– Sonst ausschließlich Urkunden, Verwaltungsakten, Landgerichtsprotokolle, Ratsprotokolle, Briefsprotokolle , Niederschriften von Bürgerversammlungen 1700 – 1900, alles aus dem Archiv des Marktes Bad Abbach sowie Akten aus dem Archiv der kath. Pfarrei St. Nikolaus in Bad Abbach

 Zur Beachtung:

Die Schreibweise Abbach oder Abach betreffend:

In der Barockzeit schrieb man Abach. Im Königreich ( ab1806) Abbach.

 Dank an Mitarbeiter:

M. Brombierstäudl, für die Bereitstellung von Photos

Alois Eisenhofer, Rektor GS , für die Durchsicht des Textes wegen der neuen Rechtschreibung